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Henry Purcell

Arien

Karina Gauvin, Les Boréades, Francis Colpron

Atma/Musikwelt ACD2 2398
(63 Min., 7/2006) 1 CD

Weder im Beiheft dieser CD noch auf Karina Gauvins etwas hypertropher eigener Website findet man aussagekräftige Daten über die Biografie der bei uns wenig bekannten kanadischen Sopranistin; stattdessen bekommt man nur mitgeteilt, welche Erfolge die Dame in letzter Zeit aufgrund ihrer "unique voice" und "remarkable technique" zu verzeichnen hat und wo überall sie bereits sang. Das ist ein wenig ärgerlich, denn ob sie gut ist, möchte man als mündiger Hörer doch lieber selbst entscheiden. Im vorliegenden Purcellrezital präsentiert sich Frau Gauvin dann als in der Tat hochbegabtes Energiebündel, das in koloraturreichen Nummern wie dem eröffnenden "Now the night is chas’d away" (aus "The fairy queen") mit sehr ansprechender Stimme auf hohem technischen Niveau (in der Tat!) einigen Aufruhr verursachen, ja durchaus Furore machen kann. Für tiefgründigere, stillere Stücke allerdings wie "Music, for a while" oder "Thy hand, Belinda"/"When I am laid in earth" ("Dido and Aeneas") fehlt es Frau Gauvin – bei allen auch hier unbestrittenen stimmlichen Qualitäten – an der nötigen Ruhe und Imaginationskraft, um den (vielleicht mit anderen Aufnahmen dieser Stücke schon vertrauten) Hörer wirklich in den Bann zu ziehen. Das ist ein wenig schade, denn insgesamt handelt es sich bei dem vorliegenden Produkt um eine hervorragende künstlerische Leistung vor allem auf instrumentaler Ebene: Die auf historischen Instrumenten musizierende Gruppierung "Les Boréades" unter Leitung von Francis Colpron bringt es zu faszinierend aufeinander abgestimmter Musizierdichte und Detailgenauigkeit; der deutsche Cembalist und Organist Alexander Weimann ist an diesem höchst überzeugenden Interpretationsgeschehen mit seiner ebenso inspirierten wie präzisen Art des Continuospielens maßgeblich mitbeteiligt. Schade eben nur, das Karina Gauvin, die umtriebige Feenkönigin mit der "unique voice", nicht so weit heruntergebremst und geführt werden konnte, dass ein wirklich tiefgründiges Miteinander zustande gekommen wäre.

Michael Wersin, 05.05.2007



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