Responsive image

In My Element

Robert Glasper

Blue Note/EMI
(73 Min., 9/2006, 10/2006) 1 CD

"Wir beschweren uns dauernd, dass die jüngere Generation keinen Jazz mehr hört", meint Robert Glasper, "dem versuche ich entgegenzuwirken, indem ich Elemente in den Jazz hineinbringe, mit denen auch jüngere Leute etwas anfangen können." Bewies Glasper mit seiner vor anderthalb Jahren veröffentlichten Debütplatte zur Freude der Älteren, dass er die Ausdrucksvielfalt sämtlicher moderner Jazzpianisten beherrscht, so zeigt er nun seine Beeinflussung durch den HipHop. Dies geschieht ohne Einsatz von Sprechgesang und überhaupt angenehm subtil. Zum einen klingen Glasper und seine beiden Mitstreiter – Vincente Archer am Bass und Damion Reid an den Drums – in Sounddingen so "crisp" und definiert, wie man es von einem klassischen Jazz-Pianotrio nicht unbedingt gewohnt ist. Zum anderen stößt man auf "In My Element" auf etwas, das man eigentlich nur auf HipHop-Alben findet – kleine hörspielartige Schnipsel und Intermezzi zwischen den Stücken. Es bleibt offen, ob das im Jazz Schule machen wird. Bemerkenswerter ist da schon, wie Glasper die HipHop-Ästhetik innermusikalisch umsetzt. Da fertigt er mal auf den Tasten einen reizvollen Remix seiner liebsten Gospel-Hymnen an ("Y’Outta Praise Him") oder lässt Herbie Hancocks "Maiden Voyage" überraschend schlüssig mit dem Radiohead-Song "Everything in Its Right Place" zu einer neuen Einheit verschmelzen. Überdies ist es faszinierend zu beobachten, wie Glaspers Trio aus harmonisch eher einfach gehaltenem Ausgangsmaterial rhythmisch extrem flexible Funken schlägt. Gewiss: Auf die Dauer mag sich das alles ziemlich ähnlich anhören. Aber das ist beim HipHop ja auch recht häufig der Fall. Klar ist zumindest, dass Robert Glasper den Jazz an keiner Stelle verrät, nur um dem jüngeren Publikum zu gefallen.

Josef Engels, 08.09.2007



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top