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Quartet

Larry Goldings

Palmetto 2115/Al!ve
(52 Min.) 1 CD

Wenn Leute wie John Scofield, Pat Metheny oder Maceo Parker einen Organisten brauchen, dann rufen sie bei Larry Goldings an. Es gibt einfach keinen, der die Hammond derart cool, geschmackssicher und ökonomisch einzusetzen weiß wie der 1968 geborene Bostoner. Bei seiner fünften Platte für das Palmetto-Label verzichtet Goldings allerdings weitestgehend auf sein Hauptinstrument.
Nur bei drei von zwölf Stücken kommt die Orgel zum Einsatz; und das geschieht aus gutem Grund. Gemeinsam mit dem Trompeter John Sneider und den unorthodoxen Rhythmikern Ben Allison am Bass und Matt Wilson am Schlagzeug hat Goldings nämlich ein höchst eklektizistisches Album eingespielt. "Quartet" ist wie eine kleine Wundertüte. Man weiß nie, was als nächstes kommt. Auf eine relativ konventionelle Latin-Swing-Interpretation eines Fauré-Stücks folgt die schräge Samba-Lesart eines Chico-Buarque-Songs, an einen eigentümlichen Zirkuswalzer à la Fellini schließt sich eine hitzige Gruppenimprovisation mit kratzigen Kornettklängen an. Des Weiteren befinden sich auf "Quartet" so unterschiedliche Sachen wie Björks "Cocoon" mit Schlagzeuggeräuschen wie Nachtvogelflügelschläge, W. C. Handys "Hesitation Blues" mit Madeleine Peyroux am Sangesmikrofon oder Abdullah Ibrahims "Wedding" mit sakralem, südafrikanischem Hochzeitsschmelz.
Sicher, bei den beiden letztgenannten Nummern muss Goldings beinahe zwangsläufig an der Orgel Platz nehmen. Ansonsten aber verschlägt es ihn ans Klavier (hauptsächlich), ans Wurlitzer-E-Piano (gelegentlich), ans Akkordeon und ans Glockenspiel (jeweils einmal). Es zeigt, wie verspielt wechselhaft "Quartet" geraten ist. Der stille Humor der Aufnahme sei positiv erwähnt, die Uneinheitlichkeit sacht bekrittelt.

Josef Engels, 19.05.2006



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