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Dry Humping The American Dream

Gutbucket

Enja/Indigo ENJ-9466 2
(49 Min., 5/2002) 1 CD

Politik ist ein Thema, von dem sich der US-Jazz schon seit längerem verabschiedet hat. Erst in den Nachwehen des 11. September bekam man von manchem Improvisator etwas zu hören, was als zaghaftes Statement zur Lage der Nation verstanden werden sollte. Es handelte sich dabei meist um eine zarte Musik, die die Selbstheilungskräfte der Vereinigten Staaten beschwor.
Gutbucket aus New York macht damit jetzt Schluss. Das seit 1999 bestehende Quartett bläst seiner Heimat nämlich ordentlich den Marsch. Indem es seinen verqueren Punk-Jazz-Erfindungen Namen gibt, die die Assoziationsmaschine im Kopf kräftig durchschüttelt. Da ist etwa ein Stück namens "O.J. Bin Laden", das zunächst als gemächlicher Ländler für Gitarre und Altsaxofon daherkommt, um in einem Heavy-Metal-Gewitter zu enden. Oder die Komposition "War On Drugs", die ein Bass-Solo vorsieht, das so bekifft klingt wie eine Horde Rastafaris. Die CD-Titelmelodie "Dry Humping The American Dream" entpuppt sich als ungewaschene Stilprobe des noch zu gründenden Buena Vista Asocial Club, während der Rausschmeißer "Liberation" lustig gepfiffen und böse gebrüllt wird wie ein neues garstiges Arbeiterlied der Jazz-Gewerkschaft.
Man versteht zwar nicht genau, was uns Gitarrist Ty Citerman, Saxofonist Ken Thomson, Bassist Eric Rockwin und Schlagzeuger Paul Chuffo damit mitteilen wollen. Sicher ist nur, dass Frank Zappa seine Freude gehabt hätte an dem wohl konstruierten Chaos. Does Gesellschaftskritik belong in jazz? Warum nicht?

Josef Engels, 07.02.2004



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