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Franz Schubert, Jan Václav Vorísek

Sinfonie Nr. 1, Sinfonie op. 24

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Thomas Hengelbrock

DHM/BMG 05472 77379 2
(55 Min., 9/1996) 1 CD

Es gibt heute wahrlich nicht viele Interpreten, von denen sich sagen lässt: Egal, was sie machen, man sollte hinhören. Thomas Hengelbrock, der ehemalige Primus des Freiburger Barockorchesters und neuer Konzertmeister der Deutschen Kammerphilharmonie, ist so einer. Selbst bei einem nicht eben revolutionären Werk wie der Ersten Sinfonie Schuberts, die sich noch stark an Haydn und Mozart anlehnt.
Bei Hengelbrock und seinem (mit Ausnahme der Holzbläser) auf historischen Instrumenten spielenden Bremer Ensemble wird einem der geniale melodische und harmonische Einfallsreichtum des sechzehnjährigen Schubert auf denkbar frische und vorwärtsdrängende Art serviert. Nicht ein winziger Triller, nicht die scheinbar unbedeutendste Nebenstimme wird dabei vernachlässigt. Und Hengelbrock kann zupacken: Seine knallenden Sforzati verdienen ihren Namen, seine Crescendi kommen wie Sturmwinde daher.
Das macht erst recht die D-Dur-Sinfonie des tschechischen Komponisten Jan Hugo Vorísek zu einer Entdeckung. Die beiden kraftvoll-festlichen Ecksätze wie auch die romantisch dräuenden, auf Schubert einwirkenden Mittelsätze lassen den Wiener Hoforganisten als Meister einfallsreicher Themengestaltung und Harmoniewendungen erscheinen. Dass der mit Beethoven persönlich bekannte Vorísek dem Übervater kompositorisch verpflichtet blieb, ist hier deutlich zu vernehmen. Sein früher Tod - er starb 1824 mit vierunddreißig Jahren - verbindet ihn mit manch anderem Genie dieser Wendezeit zwischen Nicht-mehr-Klassik und Frühromantik. Bei der Qualität dieser Sinfonie - nicht auszudenken, was uns der Sensenmann da vorenthalten hat!

Christoph Braun, 31.01.1998



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