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Franz Schubert

Streichquartett Nr. 14 d-Moll ("Der Tod und das Mädchen"), Matthus: Das Mädchen und der Tod

Petersen-Quartett

Capriccio/EMI 10744
(67 Min., 6/1997, 9/1997) 1 CD

Eine oft unglaublich leidenschaftliche und dabei hochkontrollierte (also: virtuose) Darstellung des Schubertschen d-Moll-Streichquartetts, das, seines zweiten Satzes wegen, den Beinamen eines der schönsten Lieder trägt: “Der Tod und das Mädchen”.
In dem so sanften, geradezu liebevollen Dialog zwischen dem Tod und dem tödlich erkrankten jungen Mädchen (“Bin Freund und komme nicht zu strafen”) artikuliert sich des Komponisten eigene Todessehnsucht ebenso wie die Erregung über dieses Schicksal: “Es gibt noch so vieles zu thun ...”
Vier Jahre später dann war er dort, wo er sein wollte: im Grab - und in der Unsterblichkeit. Der emsige deutsche Komponist Siegfried Matthus, aus der ehemaligen DDR, lebt noch, und er besaß die Kühnheit, sich offen auf Schubert zu beziehen: Sein 1996 geschriebenes Streichquartett trägt den Umkehrtitel “Das Mädchen und der Tod”.
Darin stülpt Matthus die naiv-schönen Verse des Matthias Claudius auf den Totenkopf, und der freundliche, irgendwie auch bedauernde Sensenmann des Dichters wird zum abgefeimten Drogendealer. Originaltext Matthus: “Heutzutage ist er raffinierter, gefährlicher, verlockender und zwingender: Er bietet (dem jungen Mädchen) eine Droge. Diese ermöglicht einen Ausstieg aus der rauhen und überwältigten Gegenwart in eine verführerische Scheinwelt voller Schönheit und Harmonie. Am Ende bekommt er sein Opfer mit unerbittlicher Sicherheit.”
Soll das vielleicht Matthias Claudius postum zum “Stern”-Autor machen, à la “Wir Kinder vom Bahnhof Wandsbek”? Matthus hat ja recht, das ist unsere Wirklichkeit. Aber es ist auch banal - so banal wie dieses Streichquartett. Mal effektreich, mal langweilig, und wenn zum Ende, vor einem wiederum unsäglich banalen Schlußakkord, das Schubertthema kurz “hineinweht” (Matthus) - dann kann man sich der Frage nicht erwehren, warum eigentlich Schubert sterben musste, während ...? Aber lassen wir das.

Thomas Rübenacker, 31.03.1998



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