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Franz Schubert

Sinfonie Nr. 8 C-Dur ("Große"), Gesang der Geister über den Wassern

Monteverdi Choir, Wiener Philharmoniker, John Eliot Gardiner

Deutsche Grammophon 457 648-2
(64 Min., 8/1997) 1 CD

Obwohl der frischgeadelte Sir John hier mit seiner bei den Salzburger Festspielen 1997 mitgeschnittenen Deutung der Großen C-Dur-Sinfonie Schuberts gegen eine Katalog-Konkurrenz von sechzig lieferbaren Alternativen antritt, muss die Aufnahme zu den wichtigeren Schallplattenversionen des Meisterwerks gezählt werden. Denn hier spielt das traditionsreichste Schubert-Orchester unter der Leitung eines für seine historische Radikalität und philologische Akribie hinlänglich bekannten Pioniers der Originalklangszene, und es geschieht das, was man sich von einer solch ungewöhnlichen Kombination gegensätzlicher Konzepte im Idealfall vorstellt: Eine überzeugende Synthese aus historisch gesicherter Notengenauigkeit plus Stilgefühl und der großen, lange gewachsenen, romantischen Schubert-Tradition der Wiener Philharmoniker.
Die an Beethoven geschulte Attacke, Klarheit und Dramatik Gardiners steht im lebendigen Dialog mit dem wunderbar weichen, streicherbetonten, körperlichen Klang der Wiener, und man sieht, dass ein solch offener Gedankenaustausch der gemeinsamen Sache mehr nützt als die Pflege alter Ressentiments. Romantisch wogend, dunkel, bizarr das “unpassende”, die helle Sinfonie reizvoll kontrastierende Einleitungsstück (“Gesang der Geister über den Wassern”), das uns einen ganz anderen Schubert zeigt.

Attila Csampai, 30.06.1998



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