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Franz Schubert

Lied Opera Vol. I, opp. 1-24

Mitsuko Shirai, Christian Elsner, Stephan Genz, Peter Lika, Hartmut Höll

Capriccio/EMI Classics 49 110 1
4 CDs, 1 Bonus-CD

„Lied-Opera“ – der befremdliche Titel folgt weder einzelnen Werken noch dem thematischen Deutsch-Verzeichnis, sondern Opus-Gruppen, unter denen Schubert eigenhändig einzelne Lieder unter einer gemeinsamen lyrisch-epischen Idee wie etwa der Gestalt des „Wanderers“ oder der Vergänglichkeit zusammenstellte und im Druck veröffentlichte. Das Label Capriccio bringt im Schubert-Jubiläumsjahr die insgesamt 108 Gruppen – knapp ein Drittel des gesamten Liedschaffens Schuberts – in drei CD-Lieferungen auf den Markt (jeweils mit einer Bonus-CD, auf der Peter Härtling seinen „Schubert“-Roman in Fortsetzungen liest; das ganze Buch liegt also erst mit Vol. III vor).
Weit mehr als nur ein editorisch sinnvolles Projekt, offerieren die ersten drei Platten kongeniale Schubert-Ansichten. Vom Eröffnungsopus, dem „Erlkönig“, bis zu Collins „Zwerg“ aus op. 22 ist ein frappierend wandlungsfähiger, lyrischer wie dramatischer Tenor Christian Elsner zu bewundern, gefolgt von einem bebend expressiven „Gretchen am Spinnrade“ (op. 2) und einem sphärisch entrückten „Wanderer“ Mitsuko Shirais, deren Mezzosopran wahrhaft profunde Alt-Register aufweist. Ohne Niveau-Abstriche, wenngleich quantitativ weniger stark vertreten, folgen Stephan Genz und Peter Lika mit warmen und sonoren (Bass-)Bariton-Farben.
Als Mentor dieser höchst fesselnden Schubert-Darbietungen darf Hartmut Höll genannt werden. Seine Klavierbegleitung lotet, technisch brillant, jede letzte Ausdrucksfaser der Schubertschen Kleinode aus. Derart geglückt, dürften auch die beiden folgenden Sets auf dem von großen Vorbildern geprägten Schubert-Markt ihren Platz finden.

Christoph Braun, 28.02.1997



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