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Franz Schubert

Klaviermusik zu vier Händen Vol. IV (Fantasie G-Dur D 1 u.a.)

Yaara Tal, Andreas Groethuysen

Sony SK 68243
(74 Min.) 1 CD

Die Frühwerke als vierte und letzte Folge der Gesamteinspielung von Schuberts vierhändiger Klaviermusik – die Ankündigung klingt nach Jugendsünden und pflichtgemäßer Werk-Vervollständigung. Doch weit gefehlt! Was das israelisch-deutsche Klavierduo Yaara Tal und Andreas Groethuysen hier zum Abschluss seines Zyklus’ vorlegt, kommt in der Tat der „kleinen Sensation“ nahe, von der Joachim Kaiser im Beiheft spricht.
Das rührt zum einen von der unter der Deutsch-Nummer 1 verzeichneten G-Dur-Fantasie, Schuberts Erstlingswerk aus dem Jahre 1810: ein kurios-furioses Kaleidoskop melodisch-harmonischer Einfälle und Wendungen, das man sogleich der schillernden Fantasiewelt eines pubertierenden Dreizehnjährigen entspringen sehen möchte – um dann doch zu staunen über die frühe Meisterschaft. Natürlich sind Mozart und Beethoven und zeitgemäße Motiv- und Themengestaltung nicht weit weg, doch was hier bereits an Jagdhorn-Romantik, an wild herausfahrender Erlkönig-Dramatik, verträumtem Fernweh und einsamen Herzensergießungen anklingt, das kommt dem späteren, „tiefen“ Schubert mitunter erstaunlich nahe.
Das andere aber, was diese CD trotz ihres scheinbaren Repertoire-Nachteils zu einer besonderen Empfehlung im Schubert-Jahr werden lassen könnte, ist (erneut) die kongeniale Klavierpartnerschaft des Duos – kongenial, weil dem frühen Schubertschen Einfallsreichtum nichts angemessener sein kann als der in Tempo und Dynamik derart abwechslungs- und spannungsreiche Zugriff von Tal und Groethuysen. Sollte das Wort von einer traumwandlerisch sicheren Duo-Einheit einen Sinn haben, dann hier.

Christoph Braun, 28.02.1997



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