In einer eher von Narzißten geprägten Zunft gehört der Dirigent Carlo Maria Giulini zu den Stillen, Bedächtigen; und zu jenen, die, obwohl mehrmals im Gespräch, sich nie nach Ämtern drängten. Zweiundachtzig Jahre zählt dieser weise alte Mann; da nimmt es nicht Wunder, dass er sich eines solch dunklen, spröden, rätselhaften Werkes annahm, wie es Franz Schuberts letzte, in seinem Todesjahr 1828 vollendete Messe in Es-Dur ist.
Wie immer lässt sich Giulini viel Zeit, dirigiert ruhig, unpathetisch, ohne aufgesetztes Brio, und stiftet Proportionen in einem Werk, das nicht zuletzt infolge seiner extremen Ausdrucksgegensätze leicht in der Gefahr schwebt, auseinanderzubrechen. Seine Deutung der Messe, der aufgrund ihres dichten, vielfach in dunkle Register gehüllten Klanggewebes „Requiem-Charakter“ zugeschrieben wurde, scheint nur unmerklich von Todesfurcht und Sündenangst berührt. Vielmehr spricht sie von Zuversicht und Souveränität: Giulinis Hoffnung auf ewige Seligkeit?

Teresa Pieschacón Raphael, 31.01.1997



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