Eine Musik, die auf Anhieb gefangen nimmt: dunkel, spröde, rätselhaft, von den Schatten des Todes berührt und doch von der Hoffnung auf die ewige Seligkeit erfüllt. Mit Franz Schuberts letzter, in seinem Todesjahr 1828 vollendeter Messe in Es-Dur D 950 hat sich Frieder Bernius ein Werk vorgenommen, das klanglich schwer zu verwirklichen ist, nicht zuletzt aufgrund der extremen Ausdrucksgegensätze und des dichten, vielfach in dunkle Register gehüllten Klanggewebes.
Bernius’ hohe Legatokultur weicht die Kontraste auf, ohne das Werk zu trivialisieren. Bewegendster Moment der Aufnahme ist der leidenschaftliche Aufruhr des „Sanctus" mit seinen erregten Choreinsätzen, vielmaligen Modulationen und abgerissenen Rhythmen; hervorzuheben ist ferner das in sanfter Lauterkeit dahingleitende „Benedictus" und das abschließende, Zuversicht verströmende „Dona nobis pacem". Trotz so mancher süßlich dahinschmachtender Streicherpassage eine ergreifende Interpretation — besonders durch den großartigen Kammerchor Stuttgart.

Teresa Pieschacón Raphael, 01.07.1996



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