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Franz Schubert

Klaviersonate a-Moll op. 42 D 845 und Klavierstücke op. ph. D 946

Andreas Staier

Teldec/Warner Classics 0630-11084-2
(61 Min.) 1 CD

Es muss aufregend sein, ein Klavier zu spielen, auf dem möglicherweise Schubert selbst gespielt hat. Jedenfalls kann der 1825 in Wien hergestellte Hammerflügel, mit dem Andreas Staier auf dieser Aufnahme zu hören ist, einige „biografische" Nähe zu Schubert aufweisen, insbesondere zur hier eingespielten „Grande Sonate" desselben Jahres. Aber es ist ebenso aufregend, die innere Wahlverwandtschaft zwischen Schuberts Kompositionen und dem weicher, samtiger klingenden, unmittelbaren „Vorläufer" unseres Konzertflügels mitzuerleben. Wie da die oft schroff kontrastierenden Dynamik-Vorschriften im „Fortepiano" - so der charakteristische Name des Hammerklaviers - zum Tragen kommen, das ist so spannend wie erhellend. Vor allem aber raubt es einem den Atem, zu hören, wie Staier mit dem Piano-Zug, der einen Tuchstreifen zwischen die hirschledern bezogenen Hämmer und Saiten legt, den eigentümlichen Schleier hervorzaubert, hinter dem Schuberts sehnsuchtsvolles Erinnern an vergangene - bessere - Zeiten zu vernehmen ist und der immer wieder von gegenwärtigen Verzweiflungsausbrüchen zerrissen wird.
Im ersten der drei Klavierstücke aus Schuberts Todesjahr leuchtet zudem in einem mit viel Atem ausgeloteten es-Moll-Andante der einzigartige Oberton- und Klangfarbenreichtum des Hammerflügels auf. Staiers subtile Rubati und nach beiden Seiten ausgereizte Tempi aber offerieren einen drängenden, in seiner Rastlosigkeit immer wieder kurz innehaltenden, tragischen Schubert, dem keine Zeit mehr blieb.

Christoph Braun, 31.03.1996



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