Responsive image
Franz Schubert

Sonate B-Dur D 960

Nikolaus Lahusen

Celestial Harmonies/Naxos 13195-2
(71 Min., 2000) 1 CD

Ein mir bisher völlig unbekannter Pianist, aber was für einer! Es ist der Bremer Nikolaus Lahusen. Seine Kindheit verbrachte er in Mexiko, seine Jugend in Deutschland. Einziger Trost in dem fremden Land war der Tag, als der Container aus Mexiko kam und der Flügel ausgepackt wurde; mit "Rettung" beschreibt Lahusen diesen Moment, und: "Meine Einsamkeit hatte einen Partner gefunden".
Jetzt hat Lahusen Schuberts letzte Klaviersonate Sonate B-Dur eingespielt, jenes Werk, das Schubert wenige Wochen vor seinem Tod vollendete. Lahusen spielt das Werk auf dem Hammerflügel aus dem Jahre 1835; die technische Souveränität, mit der er dessen dynamische Beschränkungen überwindet, könnte bereits viele Zeilen füllen. Aber seine Interpretation ist interessanter, denn Nikolaus Lahusen ist ein leidenschaftlicher Schubert-Spieler.
Sein Sinn für die emotionale Kraft des Werkes ist frappierend. Alles ist in dieser Sonate drin, und (fast) alles kommt zum Vorschein: tödliches Grauen, Höllenqual, elegische Wehmut, zarte Träumerei. Nur die todtraurige Verzagtheit Schuberts ist Lahusens Sache nicht. In dem schmerzlichen Thema des langsamen Satzes etwa bebt mehr beethovenscher Ingrimm als schubertsche Todessehnsucht. Es ist keine Sterbensmusik, sondern ein Aufbäumen gegen das Schicksal, eine Kampfansage an das Sterben - und man kann die Interpretation, im Wissen um die schwere Krankheit, die Lahusen in den letzten Jahren durchmachen musste, auch als persönliches Bekenntnis deuten. "Wenn ich diese B-Dur-Sonate beginne", sagt Lahusen im Beiheft, "versinke ich in eine tiefere innere Welt, durchlebe alle Ebenen und tauche am Ende als gereinigter, erlöster und befreiter Mensch wieder auf."

Teresa Pieschacón Raphael, 12.04.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top