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Franz Schubert

Klaviersonaten Es-Dur D 568, a-Moll D 845

Jenö Jandó

Naxos 8.553099
(61 Min., 2/1998) 1 CD, http://www.onlybeck.de/index_klassik.php?artnr=1000044733&bereich=klassik&partner=3

Diese Aufnahme ist symptomatisch für ein modernes Dilemma des Musik- oder sagen wir besser Interpretationskritikers. Da spielt ein guter Pianist geistig hochstehende Werke der Klavier-Weltliteratur, schlägt sich dabei mehr als tapfer, zeigt sich umsichtig, man hört die Auseinandersetzung und die Einfühlung in die Musik. Da mag man doch nicht meckern. Oder gar kleinlich sein.
Der fünfzigjährige Jenö Jandó ist in seiner Heimat Ungarn eine Größe, hat ein großes Repertoire eingespielt, und glaubt man einer Statistik seiner Plattenfirma, ist er der Pianist, der weltweit die meisten Schallplatten verkauft. Aber das Dilemma ist eben, dass heute alles verfügbar ist und der Vergleich in einem weltweiten Wettbewerb der Interpreten in seit fast hundert Jahren eingespielten Aufnahmen stattfindet. Die Ansprüche werden dabei hoch und höher.
Stellt man neben die solide Produktion der a-Moll-Sonate von Jandó eine von Swjatoslaw Richter, wird deutlicher, was ich an Jandós Schubert auszusetzen habe. Da sind kleine, emphatische Rubati, die kurzzeitig zwar Effekt machen, indem sie durch Beschleunigung oder Verzögerung eine tatsächlich wichtige Stelle betonen, gleichzeitig aber den Fluss des Metrums hemmen. Das wirkt schon bei der Präsentation des Themas störend und kommt auch den weitgespannten Formen von Schuberts Klaviersonaten nicht entgegen. An anderen Stellen zeigt sich, dass der Anschlag durchaus zarter, differenzierter sein kann.
Letztlich ergibt sich aus solchen Kleinigkeiten ein bestimmter Gestus. Und der ist bei Jandó zu oft gewollt, bei Richter unendlich majestätischer, fast distanziert.

Matthias Reisner, 21.02.2002



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