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Franz Schubert

Klaviersonate Es-Dur D 568, Moments musicaux D 780

Mitsuko Uchida

Philips 470 164-2
(68 Min., 8/2001) 1 CD, http://www.onlybeck.de/index_klassik.php?artnr=1000044905&bereich=klassik&partner=3

Unter der Bedrückung Beethovenscher Vorbilder tüftelte der kaum zwanzigjährige Schubert 1817 an einer ganzen Reihe von Klaviersonaten. Als habe er bereits damals gewusst, dass er auf dem Felde motivischer Entwicklung nicht bestehen werde, ziehen sich seine Gedanken in herrliche Themengebilde zurück und kapseln sich dort ab. Zwischen diesen Verdichtungen und den undramatischen Weiten der Nachsätze tun sich die Brüche auf, die Schubert als sonatenhafte Kontraste verstand, viele Interpreten aber als allgegenwärtige Geschichte des Zerbrechens.
Gibt es eine feinsinnigere Interpretin, eine, der die Verlockung größer sein könnte, sich ins kostbare Detail zu verlieren und es erstarren zu lassen, als Mitsuko Uchida? Wir ahnen, wie ihr Schubert klingen würde, lenkte sie nicht ein überwältigender Sinn für Proportion, der weite Bögen in die fragwürdige Architektur der selten gespielten Es-Dur-Sonate D 568 einzieht. All die schweifenden Fortspinnungen der Ecksätze nimmt sie kernig genug, um jede Winterreisen-Vorahnung zu vertreiben.
Die Schmerzensmutter-Physiognomie der Uchida scheint uns in den "Moments musicaux" eine Art Ausstellung leidender, zergliedernder Sensibilität anzukündigen. Aber wir erleben das Gegenteil: Das Band zwischen verfeinertem Klavierspiel und dem hier notorischen Sentiment scheint völlig durchtrennt. Uchida haftet gerade dort auf dem Boden vollendeter Handwerkskunst, wo der Traurigkeit das Feld oft allein gehört. Man höre nur den fis-Moll-Seitensatz des zweiten "Moments" mit der wehmütigen Kantilene. Manch anderem Interpreten geriete die fast überpenible Formulierung der Bassfigur zwischen Stakkato und Bindung zum pedantischen Beweis gründlicher Lesart. Für die Uchida aber ist diese zarte Sorgfalt der Ankerwurf im Objektiven.
Auch die "Danse russe" (Nr. 3) ist einfach einmal zarter Tanz, kein gespenstischer Reigen. Es steht genug in den Noten, scheint sie zu sagen, das erst einmal herauszuhören wäre, bevor man darüberhinausdenkt. So gelingt ihr das große Wunder, noch die unerhörtesten Modulationen, Farbwechsel und Fragilheiten auszukosten und sich und uns zugleich in beobachtender, unpsychologischer Distanz zu halten.

Matthias Kornemann, 25.05.2002



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