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Franz Schubert

Schiller-Lieder, Vol. 2

Regina Jakobi, Ulrich Eisenlohr

Naxos 8.554741
(62 Min., 2002) 1 CD, http://www.onlybeck.de/index_klassik.php?artnr=1000045176&bereich=klassik&partner=3

Auch wenn von den 31 Schiller-Vertonungen Schuberts nur wenige wirklich bekannt sind, so heißt dies nicht, dass darunter nicht Gewichtiges wäre. Schon rein äußerlich dürften die beiden Riesenballaden "Der Taucher" (27 Strophen und 25 Minuten) und "Die Bürgschaft" (20 Strophen und 15 Minuten) ihresgleichen suchen. In der ersten Schiller-Lesung (Vol. 6 der "Deutschen Schubert-Lied-Edition" - siehe Rezension) hat sich Martin Bruns des "Tauchers" angenommen; nun, in der zweiten Folge, liegt Regina Jakobi mit der Bürgschafts-Ballade, dem schülerquälenden Sinnbild romantischer Männerfreundschaft, auch noch gut im Rennen. Natürlich hat Schubert die beiden Monstren nicht als gleichförmiges Strophenlied vertont, sondern in experimentierfreudiger, ganz am dramatischen Geschehen orientierter, opernhaft freier Form.
An der lässt sich Mustergültiges im Verhältnis von Wort und Ton studieren. Entsprechend hoch - schon der bekannten und deshalb vorbelasteten Text-Grundlage wegen - sind die Interpretenanforderungen. Während mir Martin Bruns' dramatischer Impetus, nicht aber sein bescheidener Stimmumfang zusagt, präsentiert Regina Jakobi nun die Umkehrung: ihr kultivierter Mezzo hat Kern und Volumen (mehr zum Alt als zu den Höhen hin) und eine exquisite Artikulation; ein geschmeidiger, warmtönender Schöngesang ist ihr Markenzeichen, wie den "Sehnsucht"- und "Hoffnung"-Beiträgen abzulauschen ist.
An Emphase allerdings mangelt es ihr. So behält der Bürgschafts-Brocken seine Längen und das Schubert-Schillersche Meisterwerk, die "Gruppe aus dem Tartarus" von 1817, büßt viel von seiner einzigartigen Düsternis und Todesschwärze antiker Dramenkunst ein - vor allem mit einer Begleitung wie derjenigen Eisenlohrs, der man wohl Brav- und Korrektheit, nicht aber ein schattierungsreiches, eigenständiges Dramatisieren attestieren kann (man höre sich demgegenüber Hartmut Hölls dämonisches Tremolo, seine Spannungsbögen und den erschreckend erbarmungslos hinauskatapultierten C-Dur-Höhepunkt an).
So lobenswert das ganze Naxos-Schubert-Projekt ist (inzwischen auch im Beiheft, trotz des lächerlichen "The Deutsche Schubert-Lied-Edition" des "Franz Peter Schubert"), sollten die Qualitäten im Kleinen nicht auf der Strecke bleiben. Die bei Naxos-Tontechnikern offenbar obligatorische, mangelhafte Klavierpräsenz mag ich schon gar nicht mehr bemängeln.

Christoph Braun, 04.07.2002



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