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Franz Schubert

Streichquartette Nr. 10, 12, 13

Belcea Quartet

EMI 7 24355 74192
(73 Min., 7/2002) 1 CD

Bei Schubert ist das Lyrisch-Kantable oft eine "heikle" Sache: hinter bzw. unter ihm lauern Abgründe tiefster, selbstzerstörerischer Verzweiflung. Auch beim scheinbar so gefühlsseligen "Rosamunde"-Quartett. Wer interpretatorisch jene abgründige Kehr- bzw. Unterseite mitbedenkt, für den wird die beim melancholischen Eröffnungsthema in der Begleitung mitkomponierte Unruhe und Innenspannung zum wesentlichen Moment, zum Omen für die folgenden Ausbrüche in der Durchführung. Schubert selbst zitierte brieflich, als er am Quartett arbeitete, in geradezu fatalistischer Todesempfindung Goethes "Meine Ruh' ist hin, mein Herz ist schwer, ich finde sie nimmer und nimmermehr".
Leider verzichtet das junge britische Belcea Quartet weitgehend auf diese Konnotationen. Es verbleibt zu sehr im Mysteriösen bzw. im Gestus des allzu Empfindsamen. Die fortissimo-Ausbrüche der Durchführung bleiben recht brav, und das allbekannte "Rosamunde"-Selbstzitat des zweiten Satzes kommt - konsequenterweise - in dieser Dehnung dem "Gefühligen" sehr nahe. Gerade hier ist ein Zuviel an Seufzern und Portamenti fatal.
Um so bedauerlicher, als das Londoner Nachwuchsensemble "eigentlich" mit einem eminent kultivierten und homogenen Ton aufwartet. Schließlich zeigen die Vier doch noch, dass sie es auch konturenreicher, wenn man will: "klassischer" können: beim c-Moll-Quartettsatz ist das Motorisch-Dräuende Trumph, bei dem noch ganz in der Wiener Klassischen Tradition stehende Es-Dur-Quartett das Witzige, das in perlend klarer Virtuosität vorgestellt wird.

Christoph Braun, 19.01.2003



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