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Franz Schubert

Späte Sonaten (c-moll D 958; A-Dur, D 959; B-Dur D 960)

Murray Perahia

Sony CD 87706
(111 Min., 7/2002) 2 CDs

Franz Schuberts späte Sonaten-Trias D 958-960, vollendet im September des Todesjahres 1828, trägt keine Spuren von Müdigkeit oder gar Resignation, obwohl es dem Komponisten zu jener Zeit schon sehr schlecht ging: Im Oktober unternahm er noch eine Reise nach Eisenstadt, wo er lang am Grab Haydns verweilte, kurz darauf konnte er keinerlei Nahrung mehr bei sich behalten. Im November verließen ihn seine Kräfte endgültig. Ein ganzer musikalischer Kosmos tut sich auf in diesen drei Sonaten; das Vorbild des ein Jahr vorher zu Schuberts großer Erschütterung verstorbenen Beethovens wird in einigen Sätzen hörbar, aber hinsichtlich der Verarbeitung des thematischen Materials hatte sich Schubert inzwischen vollkommen frei gemacht vom übergroßen, oft hemmenden Schatten des scheu verehrten Meisters. Beglückend wie eh und je strömen die Melodielinien dahin, bisweilen höchst gekonnt in polyphone Strukturen eingebunden und getragen von einer Harmonik, deren Einfallsreichtum und Kühnheit jeder Beschreibung spottet.
Murray Perahia hat sich aufs Gründlichste eingearbeitet in Schuberts musikalisches Vokabular: Auf der Basis einer tadellosen Technik, die ihm jede erdenkliche Nuance ermöglicht, führt er den Hörer tief hinein in die Innenwelt des Komponisten. Mit größter Logik werden die horizontalen Linien des Satzes verfolgt, wobei gleichzeitig die klangliche Balance und Homogenität in der Vertikale nicht minder vollkommen gelingt; Perahias agogische Gestaltung ist zudem stets feinsinnig und sensibel, und seine breite Ausdrucksskala reicht von filigranster Zartheit bis zum empörten Gefühlsausbruch - schöner kann man es eigentlich nicht machen.

Michael Wersin, 24.05.2003



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