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Franz Schubert

Lieder in Orchesterbearbeitungen von Brahms, Britten, Reger, Berlioz, Webern, Liszt, Offenbach

Anne Sofie von Otter, Thomas Quasthoff, Chamber Orchestra of Europe, Claudio Abbado

DG/Universal 471 586-2
(72 Min., 5/2002) 1 CD

In Liszts Klavierbearbeitung von Schuberts "Erlkönig" kann einem das Pferd genauso leid tun wie das Kind. Wie in diesem Mini-Drama ohne Worte die dunklen Farben und Rhythmen in die Katastrophe gepeitscht werden, macht nicht nur so manchen Pianisten atemlos. Wer dagegen die Orchesterversion von Hector Berlioz hört, wird geradezu ernüchtert. Und das, obwohl eben die französische Instanz für ungeahnte Orchesterdimensionen sich daran gewagt hat. Von denen ist aber in seiner "Erlkönig"-Version kaum etwas zu merken. Natürlich grollen die Bässe, begleiten die Bläser die Singstimme hautnah und effektvoll, säuselt und schlägt Anne Sofie von Otter theatralisch Funken. Nur sind diese Bewegungen von einer erstaunlichen Konventionalität, ist der erste Eindruck auch der letzte, zeigt sich, dass hier eigentlich nur so viele Noten wie möglich um Schubert gelegt wurden, ohne jedoch direkt mit ihm ins Gespräch kommen zu wollen.
Doch Berlioz war damit nicht allein gescheitert. Selbst in den übrigen 18 Orchesterbearbeitungen von zumeist berühmten Schubert-Liedern, die Claudio Abbado bei diesem aufnahmetechnisch exzellenten Pariser Live-Mitschnitt bietet, werden die Originale geradezu zu zweitklassig-biedermeierlichen Gesängen degradiert. Und weder Brahms noch Benjamin Britten und schon gar nicht ein Jacques Offenbach sind hier an ihrer Handschrift zu identifizieren, besitzen die Arrangements die Qualität von Schülerarbeiten aus dem Geiste eines romantischen Breitwand-Sounds. Weshalb der Unterschied zwischen dem "Erlkönig" von Berlioz und der Bearbeitung von Reger eigentlich nur darin besteht, dass Thomas Quasthoff jetzt ins Geschehen eingreift.

Guido Fischer, 31.05.2003



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