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Franz Schubert

Sonaten für Klavier A-Dur D. 959 und B-Dur D.960

Paul Lewis

harmonia mundi HMC 901800
(75 Min.) 1 CD

Zu den Positiva dieser Einspielung gehört die aufnahmetechnische Seite und ein sorgfältig ausgestaltender Pianist. In den letzten zwei Jahren spielte Lewis in seinen Konzerten sämtliche Klaviersonaten von Schubert. Wir haben also keine Ad-hoc-Einspielung vor uns.
Paul Lewis’ Interpretationsweise könnte mit dem Titel "Nachdenken über Musik" seines Lehrmeisters Alfred Brendel überschrieben werden. Eineinviertel Stunden lang fühlt man sich durch die Grundrisse der beiden Sonaten geführt. Das hat zunächst eine ganze Menge für sich. Lewis scheint seine Sichtweise wie in didaktischer Manier vermitteln zu wollen. Das "Nachdenken über Musik" ist dadurch allgegenwärtig. Man mag Lewis abnehmen, dass er "seinen" Schubert "uns" mit nie erlahmender Überzeugungskraft nahe bringen will.
Hat man jedoch ein durch Musiker wie Schnabel, Richter, Kempff oder Gilels genährtes Schubert-Bild, wird man mit Lewis zunehmend Probleme bekommen. Man wird das Atmen der Musik vermissen, das Umgehen mit Spannungszuständen. Bei Lewis hört sich das Spiel immer an, als gäbe es parallel dazu Anweisungen wie "jetzt kommt ein Kulminationspunkt", "jetzt kommt ein nachdenklicher Teil", usw. usw. Lewis ist damit vor allem für "Kopfhörer" empfehlenswert.
Wenn man nicht ganz bis Richter und Kollegen greifen will, wäre zum Beispiel Evgeni Koroliov bei D.960 eine Empfehlung (TACET 46). Bei ihm hört man nicht unausgesetzt andere Interpretationen im Hinterkopf mit.

Michael Wersin, 14.06.2003



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