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Franz Schubert, Modest Mussorgski

Arpeggione-Sonate a-Moll D 821, bearbeitet für Violoncello, Holzbläserquintett und Kontrabass von Heribert Breuer; "Bilder einer Ausstellung", bearbeitet für Holzbläserquintett von Joachim Linckelmann

David Geringas, Frithjof Martin Grabner, Andreas Haase, Bläserquintett der Staatskapelle Berlin

Sony 5138582
(55 Min.) 1 CD

Erst die Bearbeitung macht das Werk zur Kunst? Für kaum eine andere Komposition gilt dieser immer auch ein wenig anmaßende Rempler in den Rücken des originären Komponisten wie für Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung". Ihre ureigentliche Ausdrucksmacht hat die Bearbeitungen geradezu magisch angezogen. Den wenigsten gelang es, dem Original Wesentliches, erweiternd Erhellendes womöglich, hinzuzufügen. Die Spanne der Nach-, Um- und auch ganz Neudichtungen reicht vom emsig klöppelnden Perkussionsensemble bis zum Rocktrio - unvergessen das Bemühen Emerson, Lake & Palmers, mit Old Mods Hilfe fast genau einhundert Jahre nach dem ursprünglichen Klavierzyklus Mauern zwischen "U" und "E" einzureißen. Jüngster Coup war das selbstbewusste Klavierkonzert als eine Art Synthese aus Original-Mussorgski und der immer noch zwingendsten Orchesterfassung von Ravel, das sich Emile Naoumoff 1991 auf die eigenen Finger schrieb. Und jede Deutung forderte auch immer ganz selbstverständlich ihre eigene Berechtigung: Hier klinge ich, also bin ich.
Entdeckungen sind in dieser Programmmusik, die in der Klavierversion vielleicht doch für alle Zeiten am vielschichtigsten tönt, kaum mehr zu machen - jede Facette der Bilder scheint längst ausgeleuchtet, jeder Ton ist um- und umgedreht. Diese Version für Holzbläserquintett kann allenfalls Randoriginalität beanspruchen. In unfreiwillig anrührender Komik liefert sie gleichsam die Biedermeier-Ausgabe des Werks - Musik zum Mithäkeln, wären nicht die überzogenen Tempi. Plausibler klingt auf Anhieb Heribert Breuers Umformulierung von Schuberts Arpeggione-Sonate. Das mag am singenden Cello von David Geringas liegen, dem swingenden Kontrabass - aber wohl doch vor allem daran, dass die wenigsten das selten gespielte Original im Ohr haben.

Andreas Obst, 31.01.2004



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