Responsive image
Franz Schubert

Klaviersonaten a-Moll D 845, c-Moll D 958

Amir Katz

Sony classical/Sony BMG 82876 78217-2
(60 Min., 6/2005) 1 CD

Diese zwei späten Schubert-Sonaten haben etwas Heiliges. Sie stehen in a-Moll und in c-Moll, vom Gefühl her so etwas wie die Grund-Molltonarten, sind so weltweise und apotheotisch, so endgültig, so zurückgezogen und allumfassend, dass man sie eigentlich gar nicht spielen sollte. Reinste Musik, reinste metaphysische Gedankenwelt tritt uns entgegen. Ein Mensch, der sich an die Auslegung einer Heiligen Schrift wagen sollte? Hier sind, wenn schon, die großen alten Männer der Klavierzunft gefragt. Dazu gehört der 1973 in Israel geborene Amir Katz freilich noch nicht. Doch, um es vorwegzunehmen, man mag seine Aufnahmen immer wieder hören und findet in ihnen eine neue, man möchte sagen, graduell optimistischere Sicht der Dinge.
Was die alten Meister angeht: Vielleicht kennt man eine Aufnahme von Swjatoslaw Richter, der in geradezu distanzierter Manier die Nähe zum Werk dem Hörer überlässt - und sie gerade dadurch erreicht. Auch Katz ist keiner, der sich der Sprödigkeit oder Sperrigkeit gewisser Stellen verschließt oder sie glattbügelt. Mit minimalen Rubati erschafft er schon im ersten Satz der a-Moll-Sonate eine Atmosphäre leichter, humaner Strenge. Mit denselben Mitteln wird das folgende Andante intim, lieblich, mal tragisch, mal tröstlich versichernd ausgestaltet.
Über die handwerkliche Sicherheit von Katz, der erst mit elf Jahren mit dem Klavierunterricht begann und in der zu Ende gehenden Konzertsaison in Tel Aviv die Schubert-Sonaten als Zyklus aufführte, müsste eigentlich kein Wort verloren werden, doch seine Virtuosität, die er in den folgenden Sätzen ausspielt, verdient Beachtung und Bewunderung. So gelingt ihm auch mit der Darstellung der womöglich noch tragischeren c-Moll-Sonate ein ergreifendes Abbild der Conditio humana. Wir hoffen auf mehr Aufnahmen von diesem interessanten Musiker.

Matthias Reisner, 18.03.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Bloß kein BreX-mas: Da haben die Chefunterhändler ganze Arbeit geleistet, damit Theresa May und Jean-Claude Juncker endlich den Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen verkünden konnten. Doch grüne Grenzen und Binnenmarkt-Bestrebungen in Ehren – wie hoch wäre eigentlich der kulturelle Verlust Europas durch den Ausstieg der Briten zu beziffern? Wir meinen, gerade was Advent und Weihnachtszeit angeht ist der Beitrag des Vereinigten Königreichs kaum hoch genug zu schätzen, da die […] mehr »


Top