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Franz Schubert

Deutsche Schubert-Lied-Edition Teil 20: Dichter der Empfindsamkeit, Teil 3

Wolfgang Holzmair, Ulrich Eisenlohr

Naxos 8.55 7568
(60 Min., 12/2004) 1 CD

Für die Dichter der Empfindsamkeit greift Ulrich Eisenlohr zum historischen Klavierinstrument, einem Fortepiano, über dessen Provenienz das Beiheft leider gar nichts aussagt. Die Wahl ist durchaus als glücklich zu bezeichnen, denn das Instrument klingt sehr schön und eignet sich wirklich hervorragend zur Begleitung gerade dieser Lieder; dennoch scheint die innerhalb dieser Edition überraschende Verwendung eines Hammerflügels symptomatisch für den Liedgesang in historischer Aufführungspraxis, wie er sich in unserer Zeit darbietet: Zumindest der Sänger, im vorliegenden Fall außerdem auch der Pianist verfügt in der Regel wohl kaum über wirklich umfassende Erfahrungen mit historisch informierter Darbietung, gestützt auf dezidiertes Quellenstudium im Bereich Interpretationsgeschichte: Wie sangen die Sänger, die Schubert selbst zu seinen Lebzeiten begleitete? Hat Schubert seine Lieder transponiert, wie dies auch auf dieser CD geschieht, oder haben Sänger mit mittlerer oder tiefer Stimmlage die zumeist eher tenoralen Originale mit leichterer, kopfigerer Stimmgebung vorgetragen, als unsere Ohren es heute gewohnt sind? Und dennoch, wie dem auch sei: Die Wahl des historischen Instrumentes ist im Blick auf das Endergebnis als glücklich zu bezeichnen.
Wie immer finden sich Schuberthits neben ganz unbekannten Kostbarkeiten: "Auf dem Wasser zu singen" erklingt hier in überraschend langsamem Tempo, was durchaus seinen Reiz hat, die Aufgabe des Sängers (man denke etwa an die langen Atemphrasen) aber trotz besserer Möglichkeiten zur Textgestaltung im Detail eher erschwert. Unmittelbar im Anschluss daran lernen wir das "Lied in der Abwesenheit" kennen, ein sehr ansprechendes Fragment nach Stolberg, das mitten in der Phrase abbricht; Wolfgang Holzmair behilft sich, in dem er den angefangenen Satz einfach zu Ende spricht - eine nette Surprise. Holzmair, der schon immer über ein markantes Timbre verfügt, klingt auf dieser CD insgesamt etwas rauer als in früheren Aufnahmen, fast ein wenig müde; aus diesem Grund wohl intoniert er immer wieder einmal ganz knapp unter der geforderten Tonhöhe. Nicht vollständig überzeugend gelingen, wohl auf Grund der beschriebenen Indisposition, sensible Passagen wie etwa die Rahmenteile des herrlichen "An den Mond" nach Hölty oder die lyrischen Kantilenen des in seiner Einfachheit überaus reizenden "Minneliedes".

Michael Wersin, 01.04.2006



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