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Franz Schubert, Gustav Mahler, Richard Wagner

Streichquartett Nr. 14 "Der Tod und das Mädchen" (Orchesterfassung), "Wesendonck"-Lieder

Indra Thomas, Moskauer Virtuosen, Vladimir Spivakov

Capriccio/Delta Music 71 098
(60 Min., 1/2004, 11/2005) 1 CD

Zweifellos verfügt die 38-jährige afro-amerikanische Sopranistin Indra Thomas über ein eindrucksvolles Stimmmaterial, das sie u. a. auf der Opernbühne sicher sehr vorteilhaft einzusetzen versteht. Mit Wagners "Wesendonck"-Liedern allerdings gibt man sie beinahe der Lächerlichkeit preis, und so etwas sollte nicht passieren: Frau Thomas beherrscht die deutsche Sprache zumindest in phonetischer Hinsicht nur recht unvollkommen. Dies ("Sohne, weinest jädäm Abend dir die schönnen Augen rott ...") führt zu einer unfreiwilligen Komik, durch welche die sonstigen Details ihrer Interpretation völlig in den Hintergrund treten. Das ist auch deshalb schade, weil Vladimir Spivakov mit den Moscow Virtuosi den Wagner’schen Orchestersatz durchaus zum Erlebnis zu machen versteht. Aber, nützt ja nix: So leicht globalisiert sich Vokalmusik eben doch nicht; wenn man mit russischen Instrumentalisten und einer amerikanischen Solistin deutsches Repertoire produziert, müsste man wenigstens einen deutschsprachigen Produzenten beschäftigen, aber das Beiheft listet bis hin zum Toningenieursassistent lediglich russische Namen auf - fertig ist das Band, ab die Post nach Deutschland, und erst hier wird die Misere offenbar.
Bleibt aber noch Mahlers Streichorchesterbearbeitung von Schuberts Streichquartett "Der Tod und das Mädchen". Hier kommen die Qualitäten der Moscow Virtuosi unter Spivakov ganz ungetrübt zur Geltung: Präzise, elegant und geschmeidig, allenfalls gelegentlich ein wenig inhomogen in den Violinen folgen sie Mahlers Intention, die sinfonischen Keime in Schuberts Quartett zum Sprossen zu bringen, Klangräume zu öffnen, die Satzstruktur plastischer hervortreten zu lassen. Glückwunsch dazu.

Michael Wersin, 05.01.2007



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