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Johann Sebastian Bach

Lautenwerke Vol. 1

Paul O’Dette

harmonia mundi HMU 907438
(68 Min., 3/2006) 1 CD

Bach und die Laute – das ist eine unendliche Rezeptionsgeschichte. Hat er sie tatsächlich gespielt? Und wenn ja, war er darauf so firm, dass er laut eines Dokuments von 1735 seinem Kompositionsschüler Johann Ludwig Krebs darauf sogar Unterricht erteilen konnte? Diese und weitere Fragen beispielsweise zur Authentizität der Werke, die heute fest zum Lauten- und Gitarrenrepertoire gehören, wirft der amerikanische Lautenist Paul O´Dette noch einmal auf. In seinem Bookletbeitrag anlässlich des ersten Teils der geplanten Gesamteinspielung aller Lautenkompositionen von Bach. Aufs spekulative Glatteis wagt sich aber der auch musikwissenschaftlich gestählte O´Dette nur äußerst vorsichtig. Wenn er Puzzlestein für Puzzelstein zusammenfügt, um Bach zu einem Liebhaber werden zu lassen, der den Lautenklang eher an dem mit Darmsaiten bespannten Cembalo zu imitieren versuchte. Solche Überlegungen sind durchaus angetan, um beim nächsten Bachsymposium heftig diskutiert zu werden. Solange hält man sich an die klingenden Tatsachen. Und die lassen in künstlerischer Hinsicht schlichtweg keine Wünsche offen.
Drei gängige Transkriptionen hat Paul O´Dette ausgewählt. Die zur Suite a-Moll BWV 995 bearbeitete Cellosuite c-Moll, die Violinpartita E-Dur sowie die Violinsonate g-Moll. So vertraut einem diese Lautenfassungen aber auch sein mögen – unter den Händen von O´Dette erleben sie jetzt einen Reichtum in der Ruhe und eine Reinheit im Tänzerischen, wie es so bislang noch nicht zu hören war. O´Dettes Trumpfkarte war dabei der Nachbau einer 13-chörigen Schelle-Barocklaute aus dem Jahr 1727, die einen erstaunlich klaren und edlen Sound besitzt, der schon fast einer Gitarre gleichkommt. Und O´Dette lässt diese mal gedankenverlorenen, mal irdisch handfesten Herrlichkeiten ganz aus sich heraus sprechen – ohne nur einen Anflug eines verschleiernden Vibratos. Die rhythmischen Strukturen kommen somit mit einer Zuverlässigkeit herüber, wie sie gleichzeitig die improvisatorische Freiheit in sich tragen. Und die Ausdrucksspannungen beispielsweise in der "Fuga" der g-Moll-Sonate besitzen Geist, Würde und feinste Abstufungen in den Phrasierungen. Lange hat diese Autorität des Lautenspiels damit gewartet, endlich im Aufnahmestudio den Mount Bach besteigen. Das Warten hat sich ausgezahlt.

Guido Fischer, 07.12.2007



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