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Jean-Philippe Rameau

Six Concerts en sextuor

Les Talens Lyriques, Christophe Rousset

Decca/Universal 467 699-2
(78 Min., 9/2000) 1 CD

Nur die allerwenigsten Hörer werden aufhorchen und sich sagen: Das kenn' ich doch! Womit sie sich dann als ausgewiesene Kenner und Liebhaber des Werkes von Jean-Philippe Rameau qualifiziert haben werden. Denn die "Pièces de clavecin en concert", die Rameau zu seinen Suiten mit dominantem Cembalo-Part bündelte und die als Fundament für seine "Six Concerts en sextuor" dienten, gelten nicht gerade als Schlager in der Kammermusik-Szene. Doch man muss andererseits kein fotografisches Gehör besitzen, um den Reizen der sechs Konzerte zu erliegen, deren Bearbeiter bis heute unbekannt ist. Vieles deutet auf Jacques-Joseph-Marie Decroix (1746 - 1826) hin, der ein Rameauist erster Güte war. Und der die Partituren seines Idols wie seinen Augapfel hütete, wobei er sich hier und da eben schon mal an den Originalen versuchte.
Wenn es denn wirklich Decroix war, der das intime Stimmengeflecht der "Pièces de clavecin" für große Besetzung arrangierte, dann ist ihm das auch mit dem nötigen Gefühl für die französische Barock-Aristokratie gelungen, zu der Rameau zumindest in seinen Instrumentalwerken gehörte. Von den populären Lautmalereien wie das Gackern eines Huhns bis zu den graziösen Tanzschritten, von der begeisterten Offenheit für exotische "Zigeuner"-Klänge bis zur strengen Gravurtechnik in der Rhythmik sind die maximal viersätzigen Konzerte Charakter-Spiegel der damaligen Moden. Und die von Christoph Rousset und seinen Talens Lyriques in entsprechend wertvolles Licht gesetzt worden sind. Mit einer technischen Makellosigkeit, die der musikhistorischen Authentizität Rückgrat verleiht, ohne natürlich zu versteifen. Und mit dem nötigen Sinn für die Plastizität, um Geschmack und Geist in eine mitreißende Balance zu bringen.

Guido Fischer, 21.02.2004



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