Responsive image
Jean-Philippe Rameau

Pièces de clavecin, Suiten in a-Moll u. e-Moll, Nouvelles pièces de clavecin

Denys Proshayev

Sony/Sony BMG 82876 83989-2
(65 Min., 10/2005) 1 CD

Wenn sich ein junger Pianist für sein CD-Debüt nicht Bach, Beethoven oder Chopin, sondern ausgerechnet Rameaus "Pièces de clavecin" aussucht, beweist das einen sympathischen Eigensinn. Denn obwohl sich in den letzten Jahren Pianisten wie Alexandre Tharaud und zuletzt Tzimon Barto an diese spätbarock verschnörkelten Miniaturen gewagt haben, tauchen Stücke wie "La Poule", das "Tambourin" oder der "Rappel des Oiseaux" im Konzertsaal höchstens mal im Zugabenteil auf. Für den 27-jährigen Proshayev, Sieger des ARD-Wettbewerbs 2002, ist Rameau jedoch offensichtlich eine Herzenssache: Den Freiraum, den die Übertragung dieser Musik vom Cembalo auf den modernen Konzertflügel schafft, nutzt er für eine Menge aparter Klangeffekte: Hinreißend etwa die pianissimo-Delikatesse, mit der er die Echowirkungen von "Les Trois Mains" auskostet, wunderschön getroffen auch der fantasievoll-improvisatorische Gestus im Prélude zur ersten Suite. Proshayev geht die Stücke mit einer skriabinesken Klangkultur an, deren Palette von aquarellhafter Transparenz bis zu einem spritzig-prickelndem Staccato reicht - die hoch gelobte Tharaud-Einspielung wirkt gegen diesen Feuerzauber reichlich hausbacken. An den Maßstab aller Rameau-Interpretation auf dem Klavier, die legendären Aufnahmen der Französin Marcelle Meyer, kommt er dennoch nicht ganz heran: Vor allem die (zu langsamen) Allemanden und (zu schnellen) Couranten sind noch den Schemata romantisierender Bach-Interpretation verpflichtet, in den Gavottevariationen zerpflückt er schon das Thema so sehr, dass die Variationen hintendran nur noch wie (brillante) Etüden wirken.

Jörg Königsdorf, 08.09.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wer hätte gedacht, dass Richard Strauss auch so schlank und kurzweilig komponieren konnte! Für alle, die bisher Strauss vor allem über den opulenten „Rosenkavalier“ oder seine klangprächtigen Tondichtungen wie „Till Eulenspiegel“ und „Don Quixote“ kennen gelernt haben, ist vielleicht die Bühnenmusik zu „Der Bürger als Edelmann“ eine wohltuend erfrischende Erfahrung. Das Projekt entstand aus dem absurden Plan heraus (ausgeheckt von Strauss und seinem Lieblings-Librettisten […] mehr »


Top