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Headspin

Goran Kajfeš

Amigo/Edel Contraire AM899
(48 Min.) 1 CD

Die schwedische Jazzwahrnehmung hierzulande wird beinahe ausnahmslos von Esbjörn Svensson sowie Nils Landgren und den Seinen bestimmt. Letzterem ist es auch zu verdanken, dass man Goran Kajfeš wenigstens in der deutschen Hauptstadt kennt und trotz des kroatischen Namens Schweden zuordnen kann. Als Landgren 2001 das Berliner JazzFest leitete, lud er den jungen Trompeter an die Spree ein. Er gab ein schönes Konzert im Vorprogramm von Bugge Wesseltoft, das neugierig auf mehr machte. Leider verschwand Kajfeš dann völlig von der mitteleuropäischen Bildfläche. Möglicherweise, dachte man sich, tat er wieder das, was er all die Zeit zuvor getan hatte: von Studiojob zu Studiojob hetzen.
Gottlob ist dem nicht so. Drei Jahre nach seinem Auftritt in Berlin und der Veröffentlichung der elektroakustischen Tanz- und Ekstase-Platte "Home" lässt Kajfeš erneut von sich hören. Die Produktion "Headspin" sticht aus dem Wust der unzähligen skandinavischen Nu-Jazz-Tonträger hervor. Und das nicht nur, weil die Trainingsanzugsjacken-Träger bei dem zweiten Stück, dem psychotisch rockjazzigen "Man With the Golden Arm", machtvoll vom Lounge-Sessel geblasen werden. Und spätestens nach der dringlichen Interpretation von Sun Ras Weltuntergangs-Hymne "Nuclear War" verstört die Lavalampen ausknipsen.
Kajfeš hat einen respektablen eigenen Horn-Ansatz, der sich deutlich von der gedämpften nordischen Melancholie etwa eines Nils Petter Molvaer unterscheidet. Es ist die Kratzigkeit und Derbheit des Balkans, die bei den Trompeten-Angriffen des in Stockholm geborenen Sohnes kroatischer Eltern immer wieder durchscheint. Und es ist so gesehen fast logisch, dass sich beim Schlussstück "Pulaski Bridge" unter die messerscharfen Bläsersätze und die elektronischen Störgeräusche unversehens ein Akkordeon mischt. Gespielt wird es von Davor Kajfeš, dem Vater des Bandleaders. Es muss nicht immer Nils Landgren sein.

Josef Engels, 27.11.2004



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