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Fortunes Arrive

Sonja Kandels

Minor Music 801114
(59 Min.) 1 CD

2003 gelang der Sängerin Sonja Kandels mit ihrer Debütaufnahme "God of Laughter" eine veritable Überraschung. Vieles fand da auf überraschend-unbekümmerte Art zueinander: Gedichte des nigerianischen Literatur-Nobelpreisträgers Wole Soyinka und handgemachte Club-Beats. Volkslieder aus Togo und versponnene E-Piano-Solos. Schwebende Pygmäen-Gesänge von Diplomarbeits-Kassetten und jazzgeschulte Scat-Girlanden. Eine gelungene Kombination aus europäischer Coolness und afrikanischem Eigensinn war dieser Tonträger.
Kandels, die als Tochter eines Entwicklungshelferpaares in Kamerun aufwuchs, spinnt mit ihrer neuen CD "Fortunes Arrive" den Faden weiter, den sie auf ihrem Erstling zwischen den Kontinenten aufzog. Diesmal spielt Amerika eine größere Rolle. Wayne Shorters "Speak No Evil" steht unter anderem auf dem Programm, der Spiritualklassiker "Sometimes I Feel Like a Motherless Child" oder "The Opening" aus der Feder des kanadisch-britischen Feingeists Kenny Wheeler. Nur klingt das alles völlig unerhört. Was einerseits an der Instrumentierung liegt, die Ballaphon und Talking Drum selbstverständlich neben E-Bass und Fender Rhodes stellt, andererseits an den Arrangements, die auf 6/8-Takt-Basis für rhythmische Horizonterweiterungen sorgen. Und natürlich ist es zuvörderst Kandels eigentümlicher Gesang in Wolof, Englisch, Französisch und irgendeiner Fantasiesprache, der verblüfft. Zuweilen zerrt er aber auch ein wenig an den Nerven. Na ja, Geschmackssache.

Josef Engels, 11.12.2004



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