Responsive image

Quiet Joy

Maria Kannegaard-Trio

Jazzland/Universal 06024 987 0459
(55 Min., 2/2004) 1 CD

Zu den erstaunlichsten Entwicklungen auf dem Jazz-Plattenmarkt gehört derzeit die Renaissance des Piano-Trios. Was mit dem überraschenden Erfolg von E.S.T. um die Jahrtausendwende herum begann, hat sich inzwischen zu einem regelrechten Trio-Tsunami entwickelt. Ob man von einer bloßen Modeerscheinung sprechen soll, ist noch ungewiss. Und selbst, wenn dem so sein sollte, sind Maria Kannegaard und ihre beiden Mitstreiter nur bedingt als Trittbrettfahrer einzustufen.
Bereits im Jahr 2000 legte die in Dänemark geborene und in Norwegen aufgewachsene Pianistin gemeinsam mit ihren Kommilitonen Ole Morten Vågan am Bass und Thomas Strønen am Schlagzeug ein Album hin, das für ein erstes Aufhorchen sorgte. Vergleiche mit Herbie Nichols wurden angestellt, dem traurig folgenlos gebliebenen Klavier-Unikum aus den 50er Jahren, über den Kannegaard ihre Abschlussarbeit an der Uni verfasst hatte. Und ja: Ähnlich wie Nichols blieb auch "Breaking The Surface", das Debüt des norwegischen Dreierbundes, nur ein Geheimtipp.
Nun meldet sich das Maria Kannegaard Trio mit "Quiet Joy" nach fünfjähriger Abwesenheit zurück. Lediglich die gewissermaßen als Zugabe eingespielte schnippische Version des Saisonschlagers "Hey Ya" von Outkast kann man als Verbeugung vor dem Zeitgeist deuten. Ansonsten macht das Trio unbeirrt dort weiter, wo es 2000 aufgehört hat. Mit Schmackes und Eigensinn werden Eigenkompositionen vorgestellt, die sich durch eine große Vorliebe für Asymmetrien auszeichnen. Das klingt mal wie Bill Evans mit Schluckauf, mal wie Thelonious Monk im Morsekurs, mal nach Reggae, mal nach Gumbo-Backbeat, bei dem das Schlagzeug peu à peu all seine Metallteile verliert. Bei so viel Originalität lässt sich nur sagen: Der Piano-Trio-Markt ist noch längst nicht gesättigt.

Josef Engels, 16.04.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top