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Dub Guerilla

Dub Guerilla

Enja_19/Soulfood NIN1904
(63 Min.) 1 CD

Jazz und Latin: natürlich, passt zusammen. Jazz und Rock: wurde erst als Mesalliance gebrandmarkt, konnte sich aber durchsetzen. Aber Jazz und Reggae? Man kann nicht behaupten, dass sich zwischen den beiden eine ähnlich fruchtbare Liebesgeschichte entsponnen hätte wie zwischen anderen Genres. Gut, in den vergangenen Jahren kam es immer wieder mal zu Annäherungsversuchen. Zu nennen wäre etwa Monty Alexanders eher bedauerliche Bob-Marley-Platte. Oder (die in der Tat erstaunliche) Gemeinschaftsarbeit der Jazz Jamaica All Stars aus Großbritannien, die im Big-Band-Format Reggae-Klassiker spielen.
Tom Bennecke, langjähriger Gitarrist der Jazzkantine, hat nun einen weiteren Versuch unternommen, die beiden entfernt Verwandten zusammenzubringen. Wie der Name seines Projektes schon andeutet, wird der Dub, die verhallte, instrumentale und beinah avantgardistisch anmutende Variante des Reggae, dabei als Verhandlungsgrundlage gewählt. Eine nahe liegende Idee, die dadurch gekrönt wird, dass drei Posaunisten bei der Dub Guerilla als Stimmführer fungieren: Nils Wogram, Uwe Granitza und Dr. Ring Ding. Man trifft sich also im tieffrequenten Ruhepulsbereich, interpretiert Souljazz von Grant Green genauso wie Wehmütiges von Marley, ist sich für ein paar Bop-Bläsersätze nicht zu schade und schreckt auch nicht vor dem Einsatz von naiv-restringierten Melodica-Linien zurück. Vieles bleibt dennoch Geschmackssache. Die Uniformität der Grooves etwa. Oder das Getoaste, das seltsame Wispern und Brabbeln aus dem Hintergrund. So gesehen hat die Nummer "Stop That Brain" geradezu programmatischen Charakter: Wenn man’s Gehirn ausschaltet oder mit Hilfsmitteln auf Standby stellt, funktioniert die Verbindung von Jazz und Reggae schon. Irgendwie.

Josef Engels, 21.07.2004



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