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Ruff

Monsieur Dubois

Challenge/Sunny Moon 77043
(59 Min., 5/2004) 1 CD

So. Es ist jetzt doch mal an der Zeit, die Triangel in Schutz zu nehmen. Wer das kleine Ding ignorant als Anti-Instrument oder Orff'sche Kindergartenlachnummer abtut, soll sich doch bitte das erste Stück auf der CD von Monsieur Dubois anhören. Da spielt der Saxofonist Bart Wirtz ein schönes, ekstatisches Solo. Aber noch bemerkenswerter ist das, was der Perkussionist Udo Demandt gleichzeitig mit der, ja, sicher, Triangel anstellt. Das flirrt und klingelt himmlisch. Und groovt wie die Hölle. Es ist eines dieser hübschen Details, die die Debütaufnahme des holländischen Sextetts so wunderbar aus dem unübersichtlichen Wust an jungen Retro-Funk-Jazz-Bands heraushebt.
Der so genannte "Danceable Hard Jazz" der Niederländer zeichnet sich durch eine große Klang-Variabilität aus. Mal wird das E-Piano durchs Wah-Wah-Gerät gejagt, mal verfremdet ein Flanger-Effekt das Saxofon, mal verschwindet gleich die ganze Gruppe in bizarren Hallräumen. Das Studio ist gewissermaßen das siebte Bandmitglied. Was aber keineswegs bedeuten soll, dass die CD "Ruff" eine sterile Angelegenheit wäre. Im Gegenteil. Die Aufnahme verfügt über eine Wucht, die sonst nur Livekonzerten zueigen ist. Sind halt ziemlich gute Musiker, die Holländer. Und außerdem haben sie die gesamte Geschichte des Tanz-Jazz von Horace Silver über Hancocks Headhunters und den knackigen Bläser-Unisonos der Brecker Brothers bis hin zum handgemachten Latin-House unserer Tage geschmackvoll verinnerlicht. Eine formidable Entdeckung. Lang lebe die Triangel!

Josef Engels, 08.04.2006



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