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Petra Haden and Bill Frisell

Petra Haden, Bill Frisell

Skip/Sunny Moon
(49 Min.) 1 CD

Kann man diese CD ruhigen Gewissens unter "Jazz" einordnen? Den Namen auf der Besetzungsliste nach zu urteilen: ja. Bill Frisell wird schließlich in jedem anständigen Improvisationslexikon als wichtigster Gitarrist der vergangenen zwanzig Jahre aufgeführt, Petra ist die Tochter von Bass-Phänomen Charlie Haden, und Lee Townsend firmiert als Produzent namhafter Jazzeinspielungen. Wer jedoch Bill Frisell kennt, weiß, dass er mit Purismus nicht viel am Stetson-Hut hat. Seine lupenreine Country-Aufnahme "Nashville", entstanden Mitte der 90er Jahre, war dafür bestes Beispiel. Mit Petra Haden, die Geige spielt, über eine zauberhafte Unschuldsstimme verfügt und sich mit dem hübschen Kuschel-Punk ihrer Band "That Dog" einen Namen in der College-Radio-Szene machen konnte, hat der Gitarrist nun eine extraordinäre Duett-Partnerin für einen weiteren Vorstoß in unentdeckte Prärie-Landschaften gefunden.
Das Material auf dem gemeinsamen Debüt reicht von Gegenwarts-Rock à la Foo Fighters oder Coldplay über Pop-Allgemeingut von Tom Waits und Stevie Wonder bis hin zu Gershwin-Standards. Es gibt auch eine traditionelle amerikanische Cowboy-Moritat und eine Weise aus der russisch-mongolischen Republik Tuva zu hören. Sehr verwirrend, könnte man meinen. Aber Haden und Frisell überführen das alles seelenruhig in ein schattiges Grenzgebiet, wo sich diverse Gitarrenloops balgen, Akkorde aus dem Nichts erscheinen wie Geistergestalten, irrlichternder Gesang die Sinne besänftigt. Dank des Overdub-Verfahrens wird aus Hadens Geige ein kleines bizarres Streichorchester, aus ihrer unbestechlich intonationssicheren Mädchen-Stimme ein ganzer Chor. Keine Frage: das ist erlesener Country-Pop. Ist es aber auch Jazz? Man muss nur die begnadet entschlackten Versionen von "Moon River" oder "I’ve Got a Crush On You" anhören. Dann seufzt man: Warum nicht?

Josef Engels, 04.09.2004



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