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Johann Sebastian Bach

"Glorious Bach!" - Kantaten "Nun komm der Heiden Heiland" BWV 61 u.a.

Christine Schäfer, Anna Korondi, Bernarda Fink, Ian Bostridge, Christopher Maltman, Arnold Schoenberg Chor, Concentus Musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt

TDK DV-ADCNH
(82 Min., 00/2000) 1 DVD

"Des sich wundert alle Welt", könnte man mit dem Librettisten der Bachkantate BWV 61 sagen, die diesen Mitschnitt eines Konzerts im Kloster Melk eröffnet: Nikolaus Harnoncourt war vor Jahrzehnten Pionier der Historischen Aufführungspraxis; er gehörte zu jener Generation von Originalklang-Begeisterten, die sich einst von den Etablierten verspotten lassen mussten, weil sie ihre angeblich unbrauchbaren alten Instrumente nach jedem Satz nachstimmen müssten.
Heute ist Harnoncourt einer der arriviertesten Ensembleleiter, und seine Experimentierfreude hat reiche Früchte getragen. Er kann zweifellos musizieren, mit wem er will, hat die Auswahl unter den besten Kräften unserer Tage. Warum aber lässt er Bachkantaten vom Arnold-Schönberg-Chor singen, einem Laienensemble in Oratorienchorstärke (rund fünfundfünfzig Sänger - zum Vergleich: Koopman, Gardiner und Herreweghe verwenden um die zwanzig ausgebildete Kräfte, was historisch wahrscheinlich stimmt)?
Zu diesem Riesenchor muss Harnoncourt dann acht erste Geigen und zwei Kontrabässe gesellen. Entsprechend massiv und ein wenig träge ist an vielen Stellen das Klangbild; besonders mühevoll schleppen sich die Chorsätze des ebenfalls enthaltenen "Magnificat" dahin. Wozu zerstückelt der Chor ohne Not die exponierten Unisono-Phrasen des Eingangschors von BWV 61 durch ungeschickte Atemzäsuren, obwohl bei dieser Besetzungsstärke ohne Not chorisches Atmen möglich wäre? Die häufige Uneinheitlichkeit der Konsonanten-Absprache stört außerdem den Chorklang.
Auch die Solisten sind nicht sonderlich beglückend: Christopher Maltman richtet das Bass-Rezitativ in BWV 61 durch Intonationsunsicherheit und übertriebene Mysterioso-Masche förmlich hin, Christine Schäfer bleibt immer wieder geschmäcklerisch an einer gefälligen Oberfläche haften.
Allein die historischen Instrumente und die mittlerweile verbreiteten Standards einer an barocker Rhetorik orientierten Artikulation locken heute keinen mehr hinter dem Ofen hervor, wenn gleichzeitig - dies muss leider noch hinzugefügt werden - Intonationsprobleme und mangelhaftes Zusammenspiel das Bild trüben. Nein, so wollten wir Bach gerade von Harnoncourt eigentlich nicht hören.

Michael Wersin, 01.12.1999



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