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JazzXclamation

Konnex 5136
(69 Min., 2/2004) 1 CD, www.jazz-network.com

Im CD-Booklet beschreibt sich Kathrin Lemke als "brave woman in the very mean world of jazz". Was die in Berlin lebende Saxofonistin damit meint, bleibt unklar. Schließlich ist sie es doch, die mutige Frau, die total gemein zu Gevatter Jazz ist. Sie tut ihm schlimme Sachen an. Nimmt ihn mit zum Einkaufen, was bekanntlich die Höchststrafe für Männer ist, und trötet ihm mit hysterischem Albert-Ayler-Alt die Ohren zu. Dann verschleppt sie ihn in Schuppen, wo man zu dröhnenden Pornoorgeln kaputte Walzer und nervenkranke Tangos tanzt. Zum Schluss gesteht sie ihm auch noch: "When I see you walking through the door, gotta confess: I don’t want you no more!" Das singt sie durchs Telefon. Und hört sich dabei an wie Diana Krawall.
Es ist kein Zufall, dass John Schröder, einst Schlagwerker bei "Der Rote Bereich", auf dem neuen Tonträger der von Lemke 1998 gegründeten Band JazzXclamation aushilft. Hier wie da ist hauptstädtische Kauzigkeit, humorgestählte Musikalität und Nonkonformität Trumpf. Bei JazzXclamtion - bestehend aus dem hervorragenden Wurlitzer- und Orgel-Freak Peer Neumann, dem Bassisten Stephan Bleier und dem Drummer Michael Griener - kommt nach dem Willen der Leitwölfin noch die Lust an der gerissenen Dekonstruktion solistischer Macho-Klischees hinzu. Sowie das Faible für musikalische Zwischenspiele, die irgendwie nach Raumpatrouille Orion klingen. Oder nach nie veröffentlichten Soundtracks von Terry-Gilliam-Spielfilmen. Nach dem Motto: Fear and Loathing in Las Prenzlbergas. Schön bekloppt. Und manchmal bekloppt schön.

Josef Engels, 15.01.2005



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