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Outta Here

Lettuce

ESC 3694-2/Alive
(64 Min.) 1 CD

Wenn davon geredet wird, dass der Jazz an der Wiege des HipHop stand, dann ist das eine gemeine Unterstellung. Ein Vaterschaftstest würde nämlich zum Vorschein bringen, dass es eigentlich der Funk war, aus dessen Samen die letzte große populäre Musikrevolution entsprang. Wer von den Jazzpuristen also gerne die Nase darüber rümpft, dass sich der Miles Davis der "On the Corner"-Zeit den Wah-Wah-Gitarren hingab, wer das, ebenso wie die Erzeugnisse von George Clinton, Maceo Parker oder Bootsy Collins, für pentatonische Petitessen oder modische Belanglosigkeiten hält, der übersieht die historischen Dimensionen. Die meisten der jungen Musiker, die heute den Jazz am Leben halten, sind erst über den Funk und seine Disco- oder HipHop-Derivate an die Instrumentalimprovisation geraten.
Die US-Formation Lettuce ist dafür ein gutes Beispiel. Zu den im Schnitt 25 Jahre jungen Mitgliedern der Band zählen unter anderem der Gitarrist Eric Krasno, der als Teilhaber des Orgeltrios Soulive dafür sorgt, dass Blue Note wieder ein einigermaßen cooles Label ist, oder Schlagzeuger Adam Deitch, dessen Dienste John Scofield zur eigenen Hipnesssteigerung seit "Überjam" in Anspruch nimmt. Zum Dank spielt der Gitarrist nun auch auf dem Lettuce-Debüt mit, ebenso wie der alte James-Brown-Weggefährte Fred Wesley. Womit die stilistische Ausrichtung klar wäre. "Outta Here" empfindet die Musik von Herbie Hancocks Headhunters, von George Clintons P-Funk-Irrsinnigen, von JB oder Stanley Clarke mit unerhört viel Schmackes nach. Es ist ein schweißtreibendes Vergnügen ohne Atempause, bei der die Frage nach Innovationen in dem Funkjazzgebräu zwar berechtigt, aber dann auch wieder sehr spießig wirkt.

Josef Engels, 07.05.2005



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