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Plays "Fats" Waller

Aki Takase

Enja/helikon harmonia mundi
(49 Min., 6/2003) 1 CD

Über die Ahnen macht man sich nicht lustig. Vielleicht ist das der Grund, weshalb es im modernen Jazz so selten etwas zu lachen gibt. Der japanischen Pianistin Aki Takase ist das ziemlich egal. Vor drei Jahren begann die Wahlberlinerin ein Projekt, dessen Ziel es zu sein scheint, die Jazzgeschichte mit einem breiten Grinsen neu zu schreiben. Dafür knöpfte sich zuerst W.C. Handys ehrenwerten "St. Louis Blues" von 1914 vor, dem sie mit einem hochmögenden Quintett die Patina vom Grabstein pustete. Die gleichnamige CD wurde auch prompt mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.
Jetzt rückt Takase Thomas "Fats" Waller, dem großen Pianisten der 20er Jahre, auf die Pelle. Das Ergebnis ist nichts anderes als ein liebevolles Sakrileg, eine polternde Dekonstruktion, die den Stride-Stil in die Nähe des Free Jazz rückt. Dazu hat Takase neben ihren üblichen Mitspiel-Verdächtigen Thomas Heberer (Trompete), Rudi Mahall (Bassklarinette), Nils Wogram (Posaune) und Paul Lovens (Schlagzeug) den amerikanischen Sänger und Gitarristen Eugene Chadbourne eingestellt. Der ist ein Faxenmacher vor dem Herrn, mit kühnen Banjogriffen im Ärmel und Louis Armstrong in der Stimme.
Die der Hommage zugrunde liegende Überzeugung, dass Fats Waller zum Lachen keineswegs in den Keller gegangen ist, kommt nicht von ungefähr. Wer so abstruse Stücke wie "Your Feet’s Too Big" geschrieben hat, kann kein ganz so ernsthafter Mensch gewesen sein. Und Aki Takase hält gut dagegen. Beispielsweise mit ihrer zwischen Kaffeehaus-Schmäh und Migräne schwankenden Erfindung "Tintenfisch in Wien". Kein Witz: Fats Waller hätte das bestimmt alles sehr gefallen.

Josef Engels, 22.05.2002



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