Responsive image

You Must Believe In Spring

Philipp Weiss

Emarcy/Universal 9870769
(55 Min., 2004) 1 CD

Keine Frage: Mit dem 33-jährigen Philipp Weiss hat Deutschland jetzt endgültig einen Jazzsänger, der schmucken Jung-Croonern wie Michael Bublé oder Peter Cincotti problemlos das Whiskeyglas reichen kann. Und noch viel mehr. Denn das Debüt des Münchners bei einer großen Plattenfirma besticht vor allem durch seine noblen Feinheiten, die es von den doch irgendwie gecastet wirkenden Produkten der internationalen Konkurrenz deutlich unterscheidet.
Da wäre beispielsweise der Mitmusikerstab. Der New Yorker Pianist Steve Kuhn ist bekannt dafür, dass er wahrlich nicht mit jedem spielt. Vor allem Sänger sind ihm normalerweise ein Kreuz: "Sobald einer scattet, bin ich weg", wird als Credo des Reduktionsmeisters kolportiert. Philipp Weiss hat sich getreulich an die Vorgabe Kuhns gehalten, den er neben dessen regulären Triokollegen David Fink am Bass und Billy Drummond am Schlagzeug sowie Blas-Schwergewichten wie Lew Soloff (Trompete) oder Eric Alexander (Tenorsax) ins amerikanische Studio locken konnte.
Die Stückauswahl orientiert sich unter anderem auffällig stark an dem Balladen-Album, das Tony Bennett und Bill Evans 1975 aufnahmen. Doch wenn man hört, was Weiss aus "The Touch Of Your Lips", "We’ll Be Together Again" oder "My Foolish Heart" macht, dann muss man schon den Hut ziehen. Meilenweit entfernt von Bennetts Schwerenöter-Pathos zieht der Münchner sein eigenes Ding durch, fast vibratofrei, enorm uneitel, mit beeindruckendem Stimmumfang und kleinen effektvollen Einfärbungen. Zum Abschluss nimmt Weiss es sogar mit Chet Baker auf. Dessen berühmt-melancholischem Abschiedsgruß "Everytime We Say Goodbye" setzt der Münchner eine männlich-markante Version mit einem großen Schuss Optimismus entgegen. Er darf sich das erlauben. Man wird noch von ihm hören.

Josef Engels, 21.05.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top