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Mind At Play

Frank Woeste-Trio

Challenge/Sunny Moon 70124
(52 Min., 3/2005) 1 CD

Dass man Frank Woeste hierzulande kaum kennt, liegt daran, dass der 29-Jährige seit 1997 in Paris lebt. Dort ist der gebürtige Hannoveraner, der in Deutschland zwei Jahre in der von Peter Herbolzheimer geleiteten Talentschmiede BuJazzO spielte, zu einem großen Versprechen für die internationale Improvisatorenszene gereift. In Asien sorgte seine im vergangenen Jahr bei Sony Korea erschienene Solo-Platte "Improvisations on Chopin" für Aufsehen; nun mag das Trio-Debüt des Pianisten in der westlichen Welt Wohlgefallen erregen.
Sicher, Woeste ist stark von der Klassik beeinflusst. Man hört es an seiner sensiblen Anschlagskultur, man entnimmt es seiner Vorliebe, Arpeggien als strukturierende Elemente in seinen Kompositionen einzusetzen. Und trotz der Chopin-CD: ein Jacques-Loussier-Epigone ist er dabei keineswegs. Auf "Mind at Play" setzt er ein E-Piano zuweilen als Kontrastmittel ein (im Abschlussstück "Spacey Spices" übernimmt es gar die zugekiffte Hauptrolle), er offenbart einen Sinn für zeitgemäße Melodie-Wendungen (das Stück "Onguent d’Ondes" würde auch E.S.T. zur Ehre gereichen) und lässt schließlich seine beiden französischen Trio-Mitstreiter öfters metrisch eigenwillige Rock-Grooves spielen.
Dass das alles niemals aufdringlich aufgesetzt wirkt, dass selbst die bewussten Brüche in den Arrangements ganz natürlich wirken - dafür sorgt neben dem Bandleader vor allem Drummer Matthieu Chazarenc. Er agiert im Gespann mit dem Bassisten Mathias Allamane ungemein feinsinnig; wo andere den Haudrauf-Degen nehmen würden, zieht er das Florett vor. Man darf zweifellos gespannt sein auf den weiteren Weg dieses so süffig zwischen Klassik, Jazz und Gegenwart vermittelnden Dreierbundes.

Josef Engels, 23.12.2005



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