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Johann Sebastian Bach

Goldberg-Variationen (+ eine Interview-CD)

Glenn Gould

Sony 87703
3 CDs

Glenn Goulds Schallplatten-Erbe beginnt und endet mit Bachs "Goldberg-Variationen": Die beiden Einspielungen von 1955 und 1981 nebeneinander zu stellen, war eigentlich naheliegend; es sind zwei in vielem verschiedene Aufnahmen, die eines übermütigen jungen Mannes und eines gereiften, der mit neunundvierzig noch nicht alt war, aber dennoch nur anderthalb Jahre von seinem Tod entfernt: Für die 1981er Version gönnt Gould sich runde dreizehn Minuten mehr!
Sony ging aber noch einen Schritt weiter - oder, wenn man so will, einen Schritt zurück. Digitalitis war in jenen Tagen eher noch eine Krankheit, zwar gab's kein Bandrauschen und keine Plattenlaufgeräusche, aber der Toningenieur Tony Faulkner sagte mal, der Klang sei "wie Glas, das zerbricht". Das heißt, auch Gould-der-Perfektionist wollte sich nicht nur auf die digitale Klangspeicherung verlassen und ließ noch ein Analogband mitlaufen, das Sony jetzt wieder ausgrub, es für rundum besser klingend befand und nach den Schnittplänen von damals montierte - sodass die 1981er-Version auf dieser Doppel-CD nicht mehr die bislang gehandelte digitale ist, sondern dieselbe Interpretation diesmal analog!
Was ist der Unterschied? Es ist nicht ganz der zwischen einem warmen, natürlichen Klavierklang in guter Räumlichkeit und einem Saloon-Klavier aus dem Wilden Westen, das so schön blechern klingt - nicht ganz so. Aber es tendiert in diese Richtung. Damals hat offenbar keiner den Klang verglichen, nicht einmal Gould, der ja auch ein Fetischist neuartiger Aufnahmetechniken war und stolz auf seine erste Digitalplatte. Ich bin kein Ayatollah des Analogen, die Digitaltechnik wurde schon in den frühen neunziger Jahren praktisch perfektioniert; aber dass die analogen "Gouldbergs" von 1981 dem tatsächlichen Klavierklang mehr entsprechen müssen, hört sogar ein Kind.

Thomas Rübenacker, 01.01.1970



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