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Max Reger

Schlichte Weisen op. 76

Frauke May, Bernd Renzikowski

Arte Nova/BMG 74321 92761 2
(111 Min., 6/2000, 10/2000, 3/2001, 4/2001, 7/2001, 9/2001)

Zum Trost für seinen Münchner Verleger, der vorausgegangene Werke nicht an den Mann bringen konnte, komponierte Max Reger 1903 seine "Schlichten Weisen" op. 76, eine umfangreiche Liedersammlung von 60 Titeln in 6 Heften. Wirklich schlicht - im Sinne von einfach - sind die Lieder allerdings nicht, sondern hinsichtlich ihrer Harmonik und Melodik gerade so reichhaltig, dass Inhalt und angewandte Mittel sich in beglückender Balance befinden.
Etwas schlichter - im Sinne von natürlich - hätte man sich angesichts dieses immanenten Gleichgewichts der Stücke jedoch die Interpretation gewünscht. Die Mezzosopranistin Frauke May, hervorragend differenziert, klangschön und aufmerksam begleitet von Bernhard Renzikowski, findet nur selten zu einer Stimmgebung, die wirklich den Blick frei gibt auf den Charakter dieser reizenden Miniaturen. Das liegt nicht an ihrer schönen, wohlklingenden Stimme als solcher, sondern an der Art, wie sie damit umgeht: Der gedeckte, gaumige Stimmsitz hilft tieferen Stimmen zwar beim Bewältigen des Registerbruchs, führt aber zu beträchtlicher Unflexibilität der sprachlichen Gestaltungsmöglichkeiten und der rein stimmlichen Beweglichkeit. Ein sicher ungewollt pastoser Klang mit vielen von unten angesungenen Tönen sowie eine unnötige Schwerfälligkeit sind die Folgen. Melismen (mehrere Silben auf einem Ton) werden häufig aspiriert ("Frie-hie-hie-den"), wobei sich die Farbe des Vokals verdunkelt.
Das Gesamtergebnis ist nun nicht etwa unattraktiv, es gibt auch viele schöne Passagen. Meist aber fehlt jener Glanz, der durch exaktes Auf-den Punkt-Bringen der Stimme zu Stande kommt. Das ist schade, denn nicht nur das Repertoire hätte ein solches Plus an Prägnanz verdient, sondern auch Frauke Mays ansprechende Stimme würde davon profitieren.

Michael Wersin, 07.11.2002



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