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Max Reger, Karl May u.a.

Karl Mays Kompositionen

Collegium Canticum Dresden, Andreas Weber, Klaus Holzweißig

Motette CD 50741
(61 Min., 2003) 1 CD

Gut, dass wir noch keine Ästheten waren, als wir Karl May lasen: Das "Ave Maria", das der Chor der deutschen Siedler bei Winnetous Tod sang, hätte uns dann nicht zu Tränen gerührt, sondern wohl eher einen Lachkrampf provoziert - zumal es auch noch aus der Feder von Old Shatterhand stammen soll. Karl May hat diese und andere musikalische Ideen in seinen Büchern allerdings nicht aus der Luft gegriffen; vielmehr verarbeitete er auf solche bisweilen etwas konstruierte Weise seine eigenen musikalischen Ambitionen, die schon in frühen Jahren durch Orgel- und Tonsatzunterricht unterfüttert worden waren. Das auf dieser CD vorgestellte Männerchor-Repertoire Karl Mays, zu dem auch tatsächlich Old Shatterhands "Ave Maria" zählt, rangiert allerdings auf sehr bescheidenem musikalischen Niveau, welches durch die nicht ganz intonationsreine und eigenartig hektische Interpretation des Collegium Canticum Dresden nicht eben gehoben wird. Damit ist die CD aus musikalischer Sicht eher ein Kuriosum, aus zeitgeschichtlicher Sicht jedoch stärker von Interesse: Dank des ausführlichen Beihefts erfährt der Leser nicht nur Wissenswertes über Karl May und seine (teilweise kriminelle) Laufbahn, die ihn u. a. ins Zuchthaus Waldheim führte, sondern auch über die dort in jenen Tagen befindliche Orgel, auf der Karl May gespielt hat und deren Innenleben sich heute in der Lutherkirche zu Meißen befindet. Die Orgelstücke von Zeitgenossen Karl Mays, die Andreas Weber auf dem historischen Instrument spielt, erwecken denn wohl auch größeres Interesse als Karl Mays Chorwerke, zumal die Orgel tatsächlich klanglich sehr ansprechend ist.

Michael Wersin, 01.11.2003



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