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Johann Sebastian Bach

Cantatas Vol. 13

Deborah York, Franziska Gottwald, Paul Agnew, Klaus Mertens, Amsterdam Baroque Orchestra, Ton Koopman

Challenge/Note 1 CC72213
(183 Min., 12/2000)

Als im Frühjahr 2001 die schier unglaubliche Meldung von der Schließung der zu Warner gehörigen Labels Teldec und Erato durch die Presse ging, war klar, dass viele Künstler und Ensembles auf einen Schlag heimatlos werden würden. Auch Ton Koopman, der als Cembalist, Organist und Dirigent mit seinen Ensembles bereits einen beträchtlichen Teil der Werke Johann Sebastian Bachs für Erato eingespielt hatte, stand mit seiner Bachkantaten-Gesamtaufnahme plötzlich auf der Straße: 12 von 20 geplanten Folgen waren bereits erschienen, Material für mindestens eine weitere Folge war schon aufgenommen. Aber im Zeitalter der großen Global Players spielt die Würdigung solcher Leistungen keine Rolle. Irgendwo auf der Welt sitzt ein Manager an einem Schreibtisch, der vielleicht noch nie eine Bach-Kantate gehört hat, und vernichtet mit einem Federstrich Jahrzehnte kulturell bedeutsamer Wirksamkeit, wie sie Erato und Teldec wahrlich vorzuweisen hatten. Und dabei sollen diese Labels, so war zu hören, nicht einmal Verluste, sondern nur zu wenig Gewinn eingefahren haben. Zu jener Zeit war übrigens auch Gardiners “Cantata Pilgrimage” für die Deutsche Grammophon, auch als Gesamteinspielung der Kantaten angekündigt, nach wenigen Folgen kommentarlos abgebrochen worden - die Mammut-Aufgabe einer zeitgemäßen Komplettversion auf historischen Instrumenten schien damit völlig auf den Koopman-Schüler Masaaki Suzuki übergegangen zu sein, der sich für das Label BIS in gemächlichem Tempo durch das gewaltige Repertoire arbeitet. Aber Koopman gab sein Projekt nicht auf und fand nach langer Veröffentlichungs-Pause ein anderes Label. Nun können gleichzeitig die neue 13. Folge und die wiederveröffentlichte 1. Folge beim Label Challenge (Vertrieb Note 1) gefeiert werden.
Geändert hat sich außer dem äußeren Erscheinungsbild nur, wie auch schon in den vorausgegangenen Folgen immer wieder, die Solistenbesetzung: Der großartige Klaus Mertens bleibt verdientermaßen weiterhin die einzige Konstante; darüber hinaus greift Koopman auf Paul Agnew zurück, der schon früher ab und zu mal dabei war - im Blick auf Christoph Prégardien und Gerd Türk, die in einigen Folgen Maßstäbe gesetzt hatten, ist dies leider ein qualitativer Rückschritt, denn Agnew bringt es nicht zur interpretatorischen Qualität der beiden anderen. Brillant, aber nicht übermäßig textverständlich präsentiert sich Deborah York erstmals in diesem Rahmen; auch die angenehm timbrierte, ihre Stimme mit souveräner Ruhe führende Altistin Franziska Gottwald gibt in Folge 13 ihren Einstand. Erstklassig agieren, wie gewohnt, Chor und Orchester. Das Repertoire entstammt dem spektakulären zweiten Leipziger Jahrgang, in dessen Choralkantaten Bach eindrucksvoll die Möglichkeiten der Verarbeitung eines Kirchenliedes zu monumentalen Eingangschören sowie, auf der Basis “madrigalisierter” Texte, Rezitativen und Arien demonstriert. Schön, dass die spannende Reise durch Bachs Gottesdienstmusiken nun endlich weitergeht!

Michael Wersin, 01.12.1999



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