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Pixiedust

Solveig Slettahjell, Slow Motion Quintet

ACT 9708-2/Edel
(44 Min., 1/2005) 1 CD

Die Sängerin trägt Schmetterlinge im Haar und lächelt wie eine leicht verrückte Märchentante. Ihr Name klingt für mitteleuropäische Zungen absurd unaussprechlich. Und dann trägt das Album, das Solveig Slettahjell einer internationalen Hörergemeinde näher bringen soll, auch noch den Titel "Pixiedust", was so viel wie "Elfenstaub" bedeutet. Sind wir hier im Kinderzimmer gelandet, oder was? Nö. Wir haben es schlicht mit der ersten großartigen Platte des Jahrganges 2006 zu tun. Die norwegische Sängerin Solveig Slettahjell (sprich: Sulwej Schlettajell) entpuppt sich als famose Entdeckung, die dem Hörer hinter einer vermeintlich naiven Fassade eine bizarre Wunderwelt auftut. Hier läuft alles viel, viel langsamer ab als im normalen Musikkosmos, weshalb der Gruppen-Name der instrumentalen Begleiterschar mit "Slow Motion Quintet" recht treffend gewählt ist. Die Männer an der Seite Slettahjells spielen Hammond-Orgel und Trompete zuweilen so schön gespenstisch, als würden sie einen Grusel-Stummfilm begleiten. Sie benutzen billige Casio-Sounds oder schichten Loops von knarzenden Saiten mutwillig übereinander. Dazu singt Solveig Slettahjell wunderliche, traurige Songs aus eigener Feder, von John Hiatt, Billie Holiday oder aus dem Hause Disney. In einem Stil-Idiom, das irgendwo zwischen Tom Waits, Norah Jones oder Holly Cole anzusiedeln sein mag. Das Ergebnis ist jedoch weit mehr als die Summe der Vergleiche. Erstaunlich, wie schön das zusammenpasst: Klangpartikel, die wie freche Gnome ein Eigenleben zu führen scheinen - und diese zart funkelnde Stimme, von der man sich gerne Schlaflieder vortragen lassen würde. "When You Wish Upon A Star" singt Solveig Slettahjell zum Schluss unbeirrt, während um sie herum alles ächzend zusammenbricht. Erwachsener lässt sich der Abschied vo

Josef Engels, 04.02.2006



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