Polaroid Memory

Sebastian Weiss-Trio


Fresh Sound New Talent 8 427328 42 0853
(58 Min., 10/1999) 1 CD

Aus dem Beiheft erfahren wir so gut wie nichts über den jungen deutschen Pianisten Sebastian Weiss, einem in New York lebenden Schüler von Jaki Byard und Mark Soskin. Mit dem Schlagzeuger Dan Weiss (vermutlich sein Bruder) und dem ausgezeichneten Bassisten Bob Bowen III legt er auf seinem Debüt eine beachtliche Talentprobe ab.
Hören können wir, dass Weiss sich mit den stilbildenden Pianisten der sechziger und siebziger Jahre, besonders Evans (in puncto Lyrik und Trio-Interaktion), daneben Hancock, Tyner und einer Reihe jüngerer Pianisten sowie mit klassischer Musik beschäftigt hat (ältere Jazzpianisten haben auf ihn kaum abgefärbt) und vielfältige Einflüsse zu einer durchaus eigenständigen, modernen Synthese verbindet, die weitgehend ohne die Klischees des Neobop auskommt. Seine Vorliebe gehört unter anderem Bass-Ostinati, hervorstechenden Motiven in parallelen Oktaven und ausgeklügelten Voicings. Das lockere Drauflosswingen ist weniger sein Metier, aber seine Kompositionen (alle zehn stammen von ihm) und Improvisationen sind gescheit. Sein Naturell neigt zu Reflektion und Abstraktion, verrät mehr Geist als Body & Soul. Wir werden noch von Sebastian Weiss hören.

Marcus A. Woelfle, 24.08.2000


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Ein Schuss setzt die Welt in Brand: Vor einhundert Jahren, am 28. Juli 1914, erklärte das Kaiserreich Österreich-Ungarn Serbien den Krieg - der Auftakt zur Mobilmachung in ganz Europa. Wie unwahrscheinlich ein Kriegsausbruch nach dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger eigentlich war, und wie viele persönliche Macht- und Fehlentscheidungen von höchster, aber auch ministerialer Ebene dazu nötig waren, hat gerade der Historiker Christopher Clark in seinem Buch neu aufgearbeitet. Von ganz anderer, nämlich musikalischer Seite nähert sich die Sopranistin Anna Prohaska dem Thema. Ihr neues Album reflektiert das Datum, das das "Jahrhundert der Kriege" einläutete, mit einem weit gesteckten Repertoire, das über Sarajevo und Verdun hinausweist. Von Soldatenliedern des Dreißigjährigen Krieges bis zu Propagandagesängen, vom "Trommellied" aus Beethovens "Egmont", über Schumanns "Grenadiere", bis hin zu Liedern von Liszt, Fauré, Mahler, Ives, Weil und Eisler reichen die Zeugnisse, die Prohaska an der Seite ihres Pianisten Eric Schneider dafür aufruft. Aus flackernder Begeisterung und auswegloser Verzweiflung entsteht hier das musikalische Porträt einer Ausnahmesituation - die bis heute alltäglich geblieben ist.