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Wolfgang Rihm, Franz Schubert, Johannes Brahms, Edvard Grieg, Paul Hindemith

Valses sentimentales op. 50a, Sechzehn Walzer op. 39, Zwei Walzercapricen op. 37, Acht Walzer op. 6, mehrere kurze Walzer

Andreas Grau, Götz Schumacher

col legno/Helikon Harmonia Mundi 20103
(76 Min., 8/1999) 1 CD

47 Walzer nonstop, das kann in seiner offensiven Gute-Laune-Haltung schon mal zur schweren, weil gleichgeschlagenen Kost werden. Zumindest dann, wenn es sich dabei um Schubert pur handeln würde, der gerade für das gutbürgerliche Amüsement gleich Hunderte von Gelegenheitsarbeiten für zwei und vier Klavierhände hinterlassen hat. Mit seinen Deutschen Tänzen, Ecossaisen, Menuetten, Ländlern und eben Walzern. Doch das Klavierduo Andreas Grau und Götz Schumacher dreht sich mit seiner Aufnahme und ab den "Valses sentimentales" von Schubert um überraschende Schrittkombinationen weiter. Bis in jene Epoche, in der diese musikalischen Gebilde tatsächlich auch jenseits von André Rieu Aufmerksamkeit bei Komponisten erregen können.
Anfang der 1980er Jahre entstanden "Mehrere kurze Walzer" von Wolfgang Rihm, der neben György Ligeti als einziger Komponist von Rang nicht nur eifrig für das Klavier komponiert. Wie Ligeti kennt Rihm keine Berührungsängste mit der Tradition. Und die hängt er jetzt unterschiedlich und mit einem Augenzwinkern neu ein. Mit unüberhörbaren und vor allem luftigen Reminiszenzen an Dvorák, Satie, Prokofjew und natürlich an Wien. Wie aber zwischen Schubert und Rihm dem genügsamen Walzer ein leichtes harmonisches und rhythmisches Bein gestellt worden ist, dafür stehen die in sich gekehrten Walzer op.39 von Brahms und die chopinesken Walzer-Capricen von Grieg. Sowie Prokofjews Jugendwerk, das dem Walzer mit polyphoner Verunsicherung, impressionistischem Farbenspiel und kraftvollem Furor neue Ecken und Winkel aufzeigt. Was gleichfalls für das wendige Duo Grau/Schumacher gilt.

Guido Fischer, 15.06.2003



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