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Wolfgang Rihm

Drei Liederzyklen

Christoph Prégardien, Siegfried Mauser

Col legno/Harmonia Mundi 20228
(74 Min., 10/2003) 1 CD

Es müssen ja nicht immer die avantgardistischen Wort-Dekonstruktionen einer Isabel Mundry oder eines Steffen Schleiermacher sein, um der Liedkunst das Überleben im 21. Jahrhunderts zu sichern. Schließlich haben selbst Komponisten wie Matthias Pintscher gezeigt, wie mit enorm zerklüfteten Intensitätsskalen das Erbe fortgeschrieben werden kann. Bei den drei Liederzyklen nach Gedichten von Heiner Müller, Hermann Lenz und Rilke, die Wolfgang Rihm zwischen 1998 und 2000 komponiert hat, kommt man nicht umhin, dem Komponisten seine Zeitgenossenschaft nicht zu glauben. So überaus herbstblumig und neo-expressionistisch Rihms musikalische Sprache ist, so hat noch nicht einmal Aribert Reimann das Klanggewebe eines Schönberg oder Zemlinsky derart gnadenlos recycelt.
Die auratische Suggestivität wirkt zudem und trotz der nun wirklich im Geiste kaum miteinander verbrüderten Dichter erstaunlich gleichmacherisch. Viel Traumverhangenes und anschwellendes Melos, ein schon mal ins Spätromantische zurückfallender Klaviersatz - das ist frei von Schattierungskünsten und Visionen. Wenigstens Christoph Prégardien und Siegfried Mauser, denen die "Vier Rilke"-Gedichte gewidmet sind, dürfen als authentische Rihm-Interpreten gelten. Wobei Prégardien mit einer bestechend sauberen Intonation, Klangschönheit und optimalen Textverständlichkeit aufwartet.

Guido Fischer, 01.12.2006



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