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Gioachino Rossini

Buffo-Arien und -Duette

Eva Mei, Bruno Praticò, Münchner Rundfunkorchester, Marcello Viotti

RCA/BMG 74321 74562 2
(75 Min., 2/2000) 1 CD

Duette und Arien aus komischen Opern von Rossini sind ein Repertoire, das man ohne Bühnengeschehen und außerhalb des Handlungszusammenhangs nur dann wirklich genießen kann, wenn man es mit einer stimmlich und interpretatorisch erstklassigen Interpretation zu tun hat; andernfalls ermüden einen die leichtgewichtigen Texte und der relativ standardisierte musikalische Verlauf schnell. Das Rezital mit Eva Mei und Bruno Praticò kann mit dem erforderlichen Niveau jedoch leider nur teilweise aufwarten.
Einer der Höhepunkte der CD ist Bruno Praticòs Interpretation der Bartolo-Arie "A un dottor della mia sorte" aus dem "Barbier": Praticòs wohlklingende Baritonstimme erweist sich hier als durch die gesamte Skala hindurch gut durchgebildet. Sie spricht stets mühelos an und ist - wohl ein Vorteil der nicht übermäßig ausgereizten Lautstärke - flexibel genug auch für bewegte Passagen. Hervorragend gelingen außerdem die halsbrecherisch schnellen Parlando-Abschnitte. Auf so souveräner technischer Basis lässt sich das Bravourstück abwechslungs- und einfallsreich darbieten; auch in dieser Hinsicht bleibt Praticò dem Hörer nichts schuldig.
Nicht so glücklich wurde ich dagegen mit Eva Mei: Insgesamt scheint die erst Vierunddreißigjährige, zieht man ihr Rezital "Bel-Canto-Arien" von 1996 zum Vergleich heran, im stressigen Sängeralltag doch schon die eine oder andere Feder gelassen zu haben, denn die beachtliche Fülle und Ausgewogenheit, zu der sie ihre nicht sehr große Stimme damals etwa in Puccinis "Qui la voce" zu bündeln vermochte, fehlt in der neuen Produktion weitgehend. Dynamisch nicht allzu überstrapazierte Kantilenen in der Mittellage und im Forte genommene Spitzentöne lassen den früheren Glanz immer wieder zum Vorschein kommen, aber eine sehr blasse Tiefe und viele im Piano oder Diminuendo verwackelte Noten stimmen bedenklich.
Im Hinblick auf die nicht sehr ausgeprägte Tiefe ist kaum zu verstehen, warum Mei für "Una voce poco fa" aus dem "Barbier" die Mezzo-Tonart E-Dur statt die einen halben Ton höher liegende Sopranfassung wählte. Ein Vergleich mit dem großen Vorbild aller leichtgewichtigen Koloratursoprane, Amelita Galli-Curci, die dieselbe Arie 1917 einspielte (Nimbus Records), demonstriert eindrucksvoll, wie zauberhaft schelmisch, verspielt und ausgekocht dieses kleine Meisterwerk klingen kann, wenn man es hundertprozentig sicher in der Stimme hat - was bei Eva Mei, warum auch immer, auf der vorliegenden CD leider nicht der Fall ist.

Michael Wersin, 13.09.2001



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