Es ist "Wie eiskalt ist dies Händchen", heute besser bekannt als "Che gelida manina", die Arie des Rodolfo aus Puccinis "La Bohème", die auf dieser CD von Fritz Wunderlichs außergewöhnlicher sängerischer Qualität zeugt: Was da aus den Lautsprecherboxen tönt, übertrifft das Niveau so mancher gerühmter Darbietung berühmter italienischer oder sonst wie südländischer Tenöre im 20. Jahrhundert bei Weitem; die Verblendung der Register, die Attacke der Spitzentöne, das Legato, der stimmliche Schmelz, dazu der besondere "Wunderlich-Ton" voll tiefer Ehrlichkeit des Empfindens und Sich-Verschenkens – da hat das Auge Mühe, trocken zu bleiben. Mitte 20 erst war der große Sänger, als er dies so dem Aufnahmeteam zu präsentieren in der Lage war; für den Phonoclub entstanden damals die hier versammelten Einspielungen, sie wurden nicht im Handel vertrieben, und es war lange Zeit schwer, sie zu finden. Was hier ferner an weiterer italienischer Opernmusik und vor allem an Operetten-Schmankerln versammelt ist, erfreut Herz und Sinne kaum minder: Die Auszüge aus "Maske in Blau" vor allem evozieren ein Lebensgefühl der aus heutiger Sicht vielleicht spießigen und verklemmten, aber – so möchte man als Nachgeborener vermuten – doch irgendwie auch atmosphärischen und zumindest in mancher Hinsicht irgendwie heilen 50er und 60er Jahre. Wie frisch und frei sangen sich doch damals noch jene köstlichen Operettenhits! Und aus allen hier wiedergegebenen Auszügen strahlt die einzigartige Stimme Fritz Wunderlichs hervor, die auch dem informierten Hörer immer noch neue Facetten offenbart – die, je länger man sie kennt, je mehr zum wahren Wunder wird.

Michael Wersin, 01.12.1999



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