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Gioachino Rossini

Il turco in Italia

Cecilia Bartoli, Ruggero Raimondi, Oliver Widmer, Paolo Rumetz u.a., Chor der Oper Zürich, Orchester der Oper Zürich

Arthaus/Naxos 100 369
(140 Min.) Format 16:9, DVD 9

Die italienische Opera buffa nimmt sich selbst auf den Arm: Rossini und sein Librettist Felice Romani stellten für ihre 1814 an der Mailänder Scala uraufgeführte Oper "Il Turco in Italia" den Dichter des Stücks gleich mit auf die Bühne und geben dem Zuschauer so Gelegenheit, gleichzeitig mit der Handlung auch deren Entstehen zu erleben: Der Dichter grübelt, hat Geistesblitze, schiebt seine Personen wie Marionetten herum, muss sich gelegentlich aber auch von ihnen angreifen und beschimpfen lassen. Die standardisierten Buffa-Konstellationen werden dadurch in ihrer Abgedroschenheit entlarvt und bloßgestellt - ein Stilmittel, das Rossini auch mit seiner Musik auf geniale Weise zu unterstützen verstand. Das Publikum der Uraufführung war möglicherweise nicht reif für diese kritische Distanz erfordernde Betrachtungsweise, denn die Oper wurde ein Misserfolg, weil Personal und Story zu sehr an die im Jahr zuvor präsentierte "Italiana in Algeri" erinnerten - Rossinis Musik ging dabei mit den Bach hinunter.
Der "Theater-im-Theater"-Aspekt der Handlung bietet dem geschickten Regisseur fantastische Entfaltungsmöglichkeiten - und Cesare Lievi verstand sie in Zürich zu nutzen: Er verdreifacht den an der Handlung beteiligten Dichter (stimmlich wie darstellerisch vollkommen überzeugend: Oliver Widmer), indem er ihm ein Alter Ego und einen Souffleur beigesellt - der Dichter entwirft, und sein Alter Ego schreibt das gleichzeitig schon erklingende Stück auf, das der maestro suggeritore schon als Regiebuch in der Hand hält. In diesem Spannungsfeld bewegen sich die von Tullio Pericoli in ein knallbuntes Bühnenbild sowie entsprechende Kostüme gesetzten eigentlichen Akteure als Gefangene vorgefertigter Handlungsmuster und lassen sich den erwarteten Konflikten bis hin zum köstlichen Zickenterror zwischen Zaida (Judith Schmid) und Donna Fiorilla (Cecilia Bartoli) aussetzen - wenn auch oft nicht freiwillig: Der Türke Selim, der als Womanizer die Handlung in Gang bringen soll, versucht sich nach Einlaufen seines Schiffs heimlich zu verdrücken, als er merkt, was der Dichter mit ihm vorhat. Diese und viele andere unterhaltsame Details machen die Zürcher Aufführung zum kurzweiligen Erlebnis, wenn es auch auf vokaler Ebene kleine Abstiche zu machen gibt: Zwar brilliert Ruggero Raimondi darstellerisch, aber sein hörbar ermüdetes Stimmorgan gehört nicht zu den Highlights des Abends. Und Cecilia Bartolis Maschinengewehr-Koloraturen könnten in diesem parodistischen Zusammenhang noch mehr erfreuen, wenn man nicht wüsste, dass sie sonst auch nicht so viel anders klingen ...

Michael Wersin, 19.02.2005



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